{"id":15431,"date":"2018-12-20T14:56:59","date_gmt":"2018-12-20T14:56:59","guid":{"rendered":"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/?p=15431"},"modified":"2024-04-19T08:48:12","modified_gmt":"2024-04-19T08:48:12","slug":"interview-detlef-zimmermann","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/chinese-boxing-starten\/interview-detlef-zimmermann\/","title":{"rendered":"Interview: Detlef Zimmermann"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1\" style=\"text-align: center;\"><strong>\u201eEntspannung steht an erster Stelle.\u201c<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Hannover-Langenhagen. Olaf Pachten f\u00fchrte das Interview bei Detlef Zimmermann zu Hause durch, in\u00a0einem altem Fachwerkhaus. Nicht weit hinter dem Haus beginnen die Felder und Pferdekoppeln. Als Olaf eintrifft, kommt Detlef gerade vom Joggen zuru\u0308ck<span class=\"s1\">. <\/span>Er war, wie man ihn kennt, gut aufgelegt und hatte sp\u00fcrbar Spa\u00df am Interview. Immer wieder kommt der fu\u0308r ihn typische Humor durch.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Wo bist du eigentlich aufgewachsen,\u00a0<\/strong><strong>Detlef?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">In Hannover-Bothfeld.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Wie hast du generell mit Sport angefangen?\u00a0Hast du vor der Kampfkunst noch andere Sportarten gemacht?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Ja, ich war mittelm\u00e4\u00dfig sportlich. Ich habe mal eine Zeit lang Fu\u00dfball gespielt, aber nur Jugendfu\u00dfball. Dann habe ich im normalen Sportunterricht am liebsten nur die leichtathletischen Sachen gemacht. Ger\u00e4teturnen und so, das ist mir immer noch zuwider (lacht). Ja, aber sonst war ich mittelm\u00e4\u00dfig sportlich.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Wann hast du mit Kampfkunst oder\u00a0<\/strong><strong>Kampfsport angefangen?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Das war 1976. Durch dieses Ereignis mit den Hooligans in der Stra\u00dfenbahn.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Was fu\u0308r ein Ereignis mit Hooligans?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Ich war ja eigentlich ein gewaltfreier Friedensapostel. Wir waren damals sogenannte Freaks, meine Kindheit verlief glu\u0308cklich und ich hatte mit Gewalt nie was am Hut. Freaks waren so eine Mischung aus Rockstar und Hippie (lacht). Es gab dann noch die Rocker, die Popper und die Hippies und dann gab\u2019s die Normalos, wie immer man die auch einordnen soll. Wir waren auf jeden Fall Freaks, wir waren an Gewalt nicht interessiert. Sex, Drugs and Rock\u2019n&#8217;Roll waren fu\u0308r uns angesagt und Friedensm\u00e4rsche. Damals bin ich mal mit zwei Kumpels in der Stra\u00dfenbahn nach Hannover reingefahren. Die Stra\u00dfenbahn war nicht voll und wir drei sa\u00dfen da und haben gelacht, wie immer, haben Scherze gemacht. Am Ende der Stra\u00dfenbahn, auf der anderen Seite, da stand eine Gruppe Hooligans. Das waren drei Typen, echte Schr\u00e4nke\u201a eine Frau, die dazugeh\u00f6rte, und\u00a0 ein kleiner zw\u00f6lfj\u00e4hriger Junge. Die unterhielten sich, waren Hannover-Fans und schrien rum. Und da kam dieser Zw\u00f6lfj\u00e4hrige auf mich zu \u2013\u00a0 ein Unsympath \u2013 und fragt, warum wir denn so lachen wu\u0308rden. Auf mich kam er zu! Und ich war sofort v\u00f6llig gedemu\u0308tigt, weil ich Angst hatte. Da kommt so ein Zw\u00f6lfj\u00e4hriger auf mich zu, den ich auch, obwohl ich gewaltlos gelebt habe und nichts mit Schl\u00e4gereien zu tun hatte, natu\u0308rlich irgendwie h\u00e4tte besiegen k\u00f6nnen. Aber da standen ja noch diese Schr\u00e4nke, und der eine, der guckte auch schon. Und da wurde ich richtig klein und habe mich demu\u0308tigen lassen. Der hat mir nichts getan, aber dieses Gefu\u0308hl. Ich habe dann u\u0308ber Hannover 96 das Gespr\u00e4ch angefangen und irgendwie die Gefahr so herausgenommen. Dann sind die auch, Gott sei Dank, ausgestiegen, aber die Bahn fuhr erstmal nicht weiter. Und dann redete der Junge mit einem von diesen Schr\u00e4nken, und der macht die Tu\u0308r einfach wieder auf und kommt rein. Und da habe ich am ganzen K\u00f6rper gezittert, richtig gezittert. Und der stellte sich dann so vor mich, aber da rief diese Frau: \u201eLass den doch zufrieden!\u201c Und da ist der dann auch einfach wieder rausgegangen. Aber ich war so am Ende, fu\u0308r mich war das ein traumatisches Ereignis! Ich habe so eine Angst gehabt, dass mein ganzer K\u00f6rper gezittert hat, und da habe ich mich entschlossen, so was darf dir nie wieder im Leben passieren. So bin ich dann zum Kampfsport gekommen. Und gleich am n\u00e4chsten Tag bin ich zu verschiedenen Schulen. Damals gab es hier in Hannover noch nicht so viel, <em>Taekwondo<\/em> habe ich mir angeguckt und <em>Karate<\/em> und bin dann zu Martin H\u00f6ft, da habe ich dann angefangen. Mit <em>Karate<\/em><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>und <em>Ju-Jutsu<\/em>, haupts\u00e4chlich <em>Ju-Jutsu<\/em>.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Martin H\u00f6ft ist einer der <em>Ju-Jutsu<\/em>-Pioniere in Hannover gewesen, oder?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Er war einer der ernstzunehmenden <em>Ju-Jutsu-<\/em>Meister. Und hat viel fu\u0308r das <em>Ju-Jutsu<\/em> getan. Er hat <em>Ju-Jutsu<\/em>, auch durch den Kontakt zu Manfred, ein bisschen modifiziert. Also es wurde alles ein bisschen lockerer, nicht mehr so hart. Er hat sich aber nie so richtig vom Ju-Jutsu l\u00f6sen k\u00f6nnen. Aus der heutigen Sicht verstehe ich das nicht, weil sp\u00e4testens als er dann mit Manfred mehr Kontakt hatte und auch mit Casey, da hat man ja gesehen, dass es da noch etwas gibt, was einfach h\u00f6herwertig ist, sag ich mal.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Warum bist du damals bei ihm geblieben? Hat dich das <em>Ju-Jutsu<\/em><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>begeistert oder war er es als\u00a0<\/strong><strong>Person, die dich so angesprochen hat?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">So eine Mischung. <em>Ju-Jutsu<\/em> war fu\u0308r mich interessanter als nur eine Sache zu lernen, weil es mehrere Sachen beinhaltete: <em>Karate<\/em>, <em>Judo<\/em> und <em>Aikido<\/em>. Da waren gleich drei Sachen mit drin (lacht). Und Martin machte auf mich einen kompetenten Eindruck, es stimmte irgendwie alles. Und dann habe ich halt wie ein Irrer <em>Ju-Jutsu<\/em> trainiert.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Bei Martin H\u00f6ft hast du dann auch Dan-Pru\u0308fungen gemacht und bist relativ lange dabei gewesen, oder?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p2\">Ich war, da bin ich ein bisschen stolz drauf, auch ein Vorzeigeschu\u0308ler bei Martin H\u00f6ft. Ralf Behne und ich, wir waren seine Aush\u00e4ngeschilder, m\u00f6chte ich mal sagen. Wir haben aber auch trainiert wie verr\u00fcckt. Fu\u0308r mich war auf einmal Kampfsport das Wichtigste im Leben. Ich hatte damals auch angefangen zu studieren, aber der Kampfsport war einfach mein Ding. Zack! Ich habe pl\u00f6tzlich dadurch auch verstanden, was fu\u0308r mich gut ist. Ich habe aufgeh\u00f6rt, Drogen zu nehmen usw., habe mich voll auf Kampfsport konzentriert und mich da richtig hochgearbeitet. Ich begann auch relativ fru\u0308h, selber zu unterrichten. Dadurch, dass Martin ein guter Lehrer war, habe ich schon nach zwei Jahren angefangen, selber Unterricht zu geben.<\/p>\n<p class=\"p2\"><strong>Wie alt warst du da?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p2\">Ich habe mit Ende 17 angefangen. Manche sagen, das ist fu\u0308r Kampfsport zu sp\u00e4t, aber das ist v\u00f6lliger Quatsch, es ist nie zu sp\u00e4t. Und ich habe dann, wie gesagt, trainiert wie ein Irrer, hatte wohl irgendwie auch Talent dafu\u0308r und bin relativ schnell in der Szene aufgestiegen.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Wie kam dann der Kontakt zu Manfred zustande?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Also der Kontakt zu Manfred kam \u00fcber zwei Ereignisse. Zum einen war auf der IGS Roderbruch eine Ute Steiner Lehrerin, die war mit Manfred befreundet, die kannte ich auch. Aber haupts\u00e4chlich natu\u0308rlich durch den Kontakt von Martin zu Manfred. Martin hat mit uns neue R\u00e4umlichkeiten gesucht, als damals die Schule in der Gerberstra\u00dfe, in der ich angefangen habe, dicht gemacht hat.\u00a0So sind wir in Manfreds Schule gegangen, die damals noch Einzelk\u00e4mpferschule hie\u00df. Manfred war ja beim Milit\u00e4r Einzelk\u00e4mpferausbilder und Schie\u00dfausbilder usw. und hat eine private Einzelk\u00e4mpferschule im Gro\u00dfen Kolonnenweg aufgemacht. Da sind wir dann mit rein und dadurch habe ich Manfred auch von der Kampfsportseite her kennengelernt.<\/p>\n<p class=\"p1\">Als wir dann in der Schule waren, war auf einmal Casey da. Casey kam nach Hannover und ich habe nebenbei bei Martin H\u00f6ft, der einen Kampfsportartikelladen hatte, gearbeitet. Casey hatte Kontakt zu Kampfsportlern in Hannover gesucht und ist durch den Laden auf Martin gekommen. Und da sa\u00df ich in diesem Gesch\u00e4ft und da kam Casey rein. Ich wusste natu\u0308rlich nicht, wer das ist. Ich konnte kaum Englisch und er hatte sich dort mit Martin verabredet. Und dann habe ich etwas gebrochene Konversation mit ihm betrieben. Er hatte mir schon damals seine Bu\u0308cher gezeigt und obwohl er ganz unscheinbar auf mich wirkte, hatte ich schon das Gefu\u0308hl: \u201eDas ist ein besonderer Mensch.\u201c Ganz komisch. Er erz\u00e4hlte dann, soviel ich verstanden habe, ein bisschen von seiner Geschichte und dann kam irgendwann Martin und da war die Sache dann fu\u0308r mich erledigt. Die beiden sind dann miteinander weggegangen. Das war der erste Kontakt zu Casey und das war dann auch der Punkt, ab dem sich das Training bei Manfred ver\u00e4nderte.<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-15436\" src=\"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/DZ3.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"763\" srcset=\"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/DZ3.jpg 1366w, http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/DZ3-300x254.jpg 300w, http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/DZ3-768x651.jpg 768w, http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/DZ3-1024x868.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Hast du damals schon bei Manfreds Training mitgemacht?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Nein, wir haben immer noch <em>Ju-Jutsu<\/em> gemacht. Aber wir guckten ja schon immer mal und ich habe auch mal mit reingeschnuppert. Das war alles ein bisschen lockerer und die Techniken waren direkter usw. Und ich merkte schon, da findet eine Ver\u00e4nderung statt. Manfred hatte direkt\u00a0mit Casey trainiert ab dem Zeitpunkt, als Casey in Hannover auftauchte und mit Martin und Manfred Kontakt aufgenommen hatte. Man sah die Ver\u00e4nderung an Manfreds Gruppe. Das muss aber innerhalb von einem halben Jahr passiert sein, weil ich ziemlich schnell mit <em>Ju-Jutsu<\/em> aufgeh\u00f6rt habe, als ich sah: \u201eMensch, was machen die denn da?\u201c Den entscheidenden Kick bekam ich dann auf einem Lehrgang mit Wally Jay. Wally Jay kommt ja vom <em>Jiu Jitsu<\/em> und hat da seine Small-Circle-Theory aufgestellt. Nicht Theorie \u2013 Stil! Kurze Hebel, die u\u0308ber innere Mechaniken ablaufen. Deshalb hatte Wally Jay auch diese Verbindung zu Casey. Linien und Winkelkontrolle und innere Prinzipien. \u00dcber Manfred, Martin, Casey und <em>Jiu Jitsu<\/em>\u00a0kam es zu diesem Wally-Jay-Lehrgang.\u00a0Allein was Wally Jay gemacht hat, war schon v\u00f6llig beeindruckend. Aber am Rande des Lehrgangs bin ich dann mal zu Manfred gegangen und habe mit ihm einfach so u\u0308ber irgendwas gesprochen. Dann hat er mir eine Sache gezeigt und das war, als ob der Nebel weggeht. Anders kann ich das nicht beschreiben. Das hat mich so u\u0308berzeugt, dass ich nahezu direkt den schwarzen Gu\u0308rtel ablegte und dann richtig bei Manfred angefangen habe. So war das. So bin ich zu Manfred gekommen und man kann sagen, ich war besessen von dieser Sache.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Als du dann angefangen hast, mit Manfred zu trainieren, womit habt ihr begonnen? Hat er mit einem Stil angefangen, beispielsweise mit <em>Wing Chun<\/em>, <em>Hsing-I<\/em><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>oder <em>Bagua<\/em>, oder ging das alles durcheinander? <\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Sag ich nicht! (lacht lange) Nein, am Anfang muss man sagen, war es noch so eine Mischung aus external und internal. Weil Manfred ja selber noch von Casey gelernt hat. Wir haben eigentlich relativ fru\u0308h mit <em>Wing Chun<\/em> angefangen, haben aber zwischendurch immer schon diese <em>Kai Sai<\/em> Geschichten und <em>Hsing-I<\/em> gemacht, haupts\u00e4chlich aber <em>Wing Chun<\/em>. Weil<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><em>Wing Chun<\/em> damals so popul\u00e4r war. Das kam gerade auch auf den deutschen Markt und Casey konnte natu\u0308rlich auch<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><em>Wing Chun<\/em>. Der hatte das mit Lo Man Kam und Taki Kimura gemacht. Und deshalb hat Manfred sich wohl auch erstmal haupts\u00e4chlich fu\u0308r<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><em>Wing Chun<\/em> interessiert. Darum haben auch wir viel <em>Wing Chun<\/em> gemacht, am Anfang mit wenig Ans\u00e4tzen zu diesen inneren Stilen. Und wenn ich mich so erinnere, waren diese Prinzipien am Anfang auch gar nicht so im Vordergrund. Vielleicht sind diese zehn Prinzipien von Casey auch erst sp\u00e4ter formuliert worden. Es ging schon damals mehr darum, dass man die Linie h\u00e4lt. Linien und Winkelkontrolle waren wichtig, dass man verwurzelt, dass man nicht einfach nur einen festen Stand hat, sondern dass man das Gefu\u0308hl hat, sich sinken zu lassen. Dass man sich mehr entspannt, das stand auch schon im Vordergrund und das waren meiner Meinung nach die ersten Ans\u00e4tze vom Inneren Boxen. Obwohl Einiges aus heutiger Sicht auch noch<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>external abgelaufen ist. Vor allem, wenn wir<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Armpounding gemacht haben oder<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Ironman. Da ging es wirklich nur um Abh\u00e4rtung. Das war alles noch \u2013 im positiven Sinne \u2013 ein wenig milit\u00e4risch. Damit man auch einstecken lernte, dass man Schmerzen verdr\u00e4ngen konnte.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Wie viele Schu\u0308ler waren das zu der Zeit ungef\u00e4hr, die bei Manfreds Training mitgemacht haben?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Wir waren zwei Gruppen. Wir waren der engere Kern, der bestand nur aus sechs bis sieben Schu\u0308lern, und dann der gro\u00dfe Teil, die Leute, die <em>Wing Chun<\/em> machen wollten. Das waren schon ganz sch\u00f6n viele. Und dann die Privatgruppe, das war eine Vierer-, F\u00fcnfer-Gruppe. Manchmal habe ich auch Training nur mit Manfred gemacht. Manfred hatte viele Schu\u0308ler, aber wenige Meisterschu\u0308ler. Ich kann mich in der ersten Zeit haupts\u00e4chlich an <em>Wing Chun<\/em> erinnern und dann an <em>Hsing-I<\/em>. Dann an ein abgespecktes <em>Wing Chun<\/em>, welches\u00a0 schon in die Richtung <em>Jun Fan Gung Fu<\/em> ging. Wir haben zwar alle <em>Wing Chun<\/em> Formen gelernt und auch die Holzpuppenform, aber wir haben auch den Five Hand Blitz gemacht. Das war eigentlich dieses abgespeckte <em>Jun Fan<\/em>, das Bruce Lee aus dem <em>Wing Chun<\/em> gemacht hatte. Das haben wir auch gemacht. Es waren viele verschiedene Einflu\u0308sse, aber trotzdem war es immer eine Richtung. Man k\u00f6nnte jetzt denken, die haben ja hundert Stile gelernt, da kommt man ja v\u00f6llig durcheinander! Und manche kamen auch damit durcheinander. Aber die Leute, die schon mehr unsere Prinzipien in den Vordergrund gestellt hatten, die kamen damit dann gut klar.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Wann hast du mit <em>Tai Chi<\/em><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>angefangen?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Als Manfred mit <em>Tai Chi<\/em> angefangen hat, glaube ich.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Das muss sich ja erstmal ziemlich stark von dem unterschieden haben, was ihr vorher gemacht\u00a0<\/strong><strong>habt.<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Ja, wie gesagt, am Anfang war es eine Mischung aus external und internal, mit 70 Prozent External-Anteil. Und das wandelte sich langsam. Es wurde immer mehr internal. Und als wir <em>Hsing-I<\/em> trainiert haben, als den ersten echten inneren Stil, hatte ich das erste Mal das Gefu\u0308hl, dass ich nicht die Technik lerne, sondern mich selbst erfahre. Dass man sich selbst kennenlernt, nicht den Stil. Also seine eigenen Mechaniken und Energieflu\u0308sse. Und das war fu\u0308r mich auch schon wieder ein deutlicher Unterschied zwischen internal und external. Im <em>Hsing-I<\/em> haben wir ja auch zuerst nur die Elemente gemacht. Die ganzen Tiere, die habe ich erst Jahrzehnte sp\u00e4ter durch Cravens dazugelernt. Wir haben wirklich nur die Elemente und Elementwandlungen ge\u00fcbt. Und das war gut, der richtige Einstieg ins Internal, weil man dabei wirklich mit Wenig viel erfahren hat. Durch die Prinzipien des <em>Mind Hit Boxing<\/em>, durch das K\u00f6rper-Geist-Boxen <em>Hsing-I<\/em>. Und dann muss Manfred irgendwann auch <em>Tai Chi\u00a0<\/em><span class=\"Apple-converted-space\">von Case<\/span><span class=\"Apple-converted-space\">y\u00a0<\/span>gelernt haben. Er fing pl\u00f6tzlich an, seine <em>Tai Chi<\/em> \u00dcbungen zu machen, und wurde pl\u00f6tzlich ganz weich und zart. Da habe ich ihn gleich drauf angesprochen und er merkte, dass ich mich auch dafu\u0308r interessiert habe. Er hat dann einen Lehrgang im Little China Town bei Klaus Kothe gegeben. Eine Mischung aus Einzelk\u00e4mpferunterricht, Internal- und External-Kampfkunst. Mit Nachts-Aufstehen und Barfu\u00df-Rausgehen und so. Auf dem Lehrgang, in den Pausen, da habe ich ihn immer mal nach dem <em>Tai Chi<\/em><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>gefragt und dann ist er mit mir rausgegangen auf den Hof und hat mir die ersten <em>Tai Chi<\/em> \u00dcbungen gezeigt. Das wei\u00df ich noch wie heute. Die ersten Bewegungen damals aus dem <em>Yang Tai Chi<\/em>. Und da habe ich dann noch mal gedacht: \u201eDas m\u00f6chte ich auch lernen.\u201c Ich wei\u00df nicht, wie weit Manfred im <em>Tai Chi<\/em><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>war, er war immer ein Stu\u0308ck voraus, aber ich glaube, dass er das auch gerade bei Casey gelernt hat, und dann hat er \u2013 ich hab ja damals auch den <em>Tai Chi<\/em> Unterricht bei Manfred in der Schule gegeben \u2013 <em>Tai Chi<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/em>direkt an mich weitergegeben. Ich war auch mit der einzige, der sich fu\u0308r <em>Tai Chi<\/em> speziell interessiert hat. Die anderen wollten alle nur t\u00f6ten (lacht lange).<\/p>\n<p class=\"p1\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-15435 size-large\" src=\"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/DZ-2-658x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"658\" height=\"1024\" srcset=\"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/DZ-2-658x1024.jpg 658w, http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/DZ-2-193x300.jpg 193w, http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/DZ-2-768x1196.jpg 768w, http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/DZ-2.jpg 1178w\" sizes=\"(max-width: 658px) 100vw, 658px\" \/>Mir kommt das alles so vor, als ob das innerhalb von einem Monat passiert ist. Wenn ich bedenke, dass ich 1976 angefangen habe. Ich wei\u00df nur, dass ich dann wie besessen bei Manfred trainiert habe und ehrgeizig war bis zum Gehtnichtmehr. Ich wollte immer mit der Beste sein, ich wollte immer gelobt werden. Ich hatte unterschwellige Konkurrenzk\u00e4mpfe mit den anderen Meisterschu\u0308lern. Der eine war in dem besser, der andere war in etwas anderem besser. Aber ich wollte es wissen! Ich hatte das Ziel. Fu\u0308r mich war nicht der Weg das Ziel, sondern ich hatte das Ziel, ein Innerer Boxer zu werden. Ich wollte diese Prinzipien beweisen k\u00f6nnen. Und der Weg dahin. Ich hab das immer so gesehen: Ich habe das Ziel und auf dem Weg suche ich mir das, was zum Ziel fu\u0308hrt. Es ist ein Weg, aber ich wollte<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Innerer Boxer werden! Das hat Manfred wohl auch gemerkt. Obwohl ich eher ganz anders war als Manfred, auch noch als ich mit Kampfsport anfing. Ich war trotzdem friedliebend und gewaltlos. Ich habe durch ihn gemerkt, dass es notwendig ist, k\u00e4mpferische Attribute in sich zu kultivieren. Manfred hat mich immer irgendwie besonders mit in sein Training eingebaut. Ich durfte dann auch mit in die Privatstunden von ihm, wir hatten unter vier Augen Unterricht, das war ein Privileg fu\u0308r mich. Und das gipfelte in dem H\u00f6hepunkt, als er aufh\u00f6ren wollte und mich fragte, ob ich seine Schule u\u0308bernehmen wolle. Ich wei\u00df nicht, ob du dir vorstellen kannst, was das fu\u0308r mich bedeutet hat. Der, der das wollte, der Innerer Boxer werden wollte, der, der das wie ein Besessener trainiert hat, wird dann als Kr\u00f6nung damit belohnt, die Schule seines Meisters zu u\u0308bernehmen. Mannometer, sag ich mir, mannometer! Ich habe den Anruf noch auf einer Kassette, damals gab es ja noch keine digitalen Anrufbeantworter, sondern da musste man noch eine Kassette reinstecken, und ich wei\u00df noch, wie ich nach Hause kam und die Kassette abh\u00f6rte und dann kommt: \u201eHallo Detlef.\u201c Manfreds Stimme. \u201eRuf mich mal bitte zuru\u0308ck, ich muss mit dir sprechen.\u201c Aufgelegt! Das war der Anruf. Und dann hat er mich gefragt, ob ich die Schule u\u0308bernehme. Ja, das habe ich dann gemacht, wie man wei\u00df.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Ab dem Moment ist das dann fu\u0308r dich auch ein richtiger Vollzeit-Job geworden.<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Das war es ja auch schon vorher! Ich habe immer irgendwas studiert, vier verschiedene Sachen angefangen. Zum Beispiel habe ich Sozialwissenschaften studiert und sogar das Vordiplom gemacht. Aber Kampfsport war fu\u0308r mich das Wichtigste im Leben. Denn ich habe ja auch schon Geld damit verdient. Ich hatte im Hochschulsport\u00a0Unterricht gegeben, ganz fru\u0308h mit <em>Ju-Jitsu<\/em> sogar schon. Und dann hatte ich private Gruppen und das wurde immer mehr und ich habe gemerkt: \u201eMensch, was ist denn jetzt los, du kannst doch nur das machen!\u201c Und als Manfred mir dann die Schule u\u0308bergab, da war es fu\u0308r mich klar, das ist jetzt mein Ding, ich mache nichts anderes mehr. Mit dem Risiko, beim Sozialamt zu landen. Damals war der Markt ja auch noch offen, ich hatte teilweise hundertzwanzig Schu\u0308ler. Da konnte man noch richtig gut von leben. Heutzutage ist es schwierig. Da musst du schon gucken, wie du klar kommst. Denn das Innere Boxen ist nie massentauglich gewesen und ist es bis heute nicht! Als ich damals die vielen Schu\u0308ler hatte, unterrichtete ich <em>Wing Chun<\/em>. Das wollte jeder lernen. <em>Wing Chun<\/em> war<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>das Ding! Und unser <em>Wing Chun<\/em> war ja auch besonders gut, muss man dazu sagen (lacht). Deshalb hatte ich auch so viele Schu\u0308ler. Ich habe das gemerkt, als ich mich dann von diesem ganzen External-Teil getrennt habe \u2013 <em>Wing Chun<\/em> muss man als Bru\u0308ckenstil sehen, aber doch 70 Prozent external. Da wurden die Schu\u0308lerzahlen weniger. Weil man sich bei den inneren Stilen mit sich selbst besch\u00e4ftigen muss. Man kann nicht nur das nachmachen, was der Meister sagt oder zeigt. Und damit kommen viele Leute nicht klar. Deshalb hat Manfred ja damals schon gesagt: \u201eInneres Boxen werden immer nur wenige machen.\u201c Das ist einfach so!<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Du bist dann mit den Jahren immer st\u00e4rker in der\u00a0<em>Tai Chi<\/em><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Gemeinschaft angekommen. Da hat sich ja schon Einiges ver\u00e4ndert, vom <em>Wing Chun<\/em><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>u\u0308ber Internal Martial Arts<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>und weiter zum <em>Tai Chi<\/em>. <\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\"><em>Tai Chi<\/em> hat mich immer auch fasziniert, weil ich mich mit der chinesischen Philosophie immer mehr besch\u00e4ftigt hatte, Taoismus und so, und weil <em>Tai Chi<\/em> natu\u0308rlich eng mit dieser Philosophie in Verbindung gebracht wird. Und wie man diese K\u00f6rperlichkeit dahingehend kultiviert, dass Yin und Yang tats\u00e4chlich stattfinden. Ich bin u\u0308ber das K\u00e4mpferische zum <em>Tai Chi<\/em> gekommen und habe dann gesehen, dass gerade auch der gesundheitliche Aspekt durch das k\u00e4mpferische <em>Tai Chi<\/em> forciert wird.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Wie hast du den Zugang zum <em>Tai Chi<\/em> fu\u0308r dich gefunden?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-15439 size-full\" src=\"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/DZ6.jpg\" alt=\"\" width=\"2232\" height=\"1262\" srcset=\"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/DZ6.jpg 2232w, http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/DZ6-300x170.jpg 300w, http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/DZ6-768x434.jpg 768w, http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/DZ6-1024x579.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 2232px) 100vw, 2232px\" \/>Ich habe <em>Tai Chi<\/em><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>gelernt, weil ich es immer faszinierend fand. Von dem Moment an, als ich es gesehen und selber auch gespu\u0308rt habe. Ich war aber auch immer ein Vertreter des ganzheitlichen <em>Tai Chi<\/em>, was es heute ja so nicht mehr gibt. Ich sage mal fast 90 Prozent aller <em>Tai Chi<\/em> Betreibenden machen nur noch diesen Gesundheitsaspekt, diesen, wenn man so will, heilgymnastischen Aspekt. Da kann man ja auch nichts dagegen sagen. Aber fu\u0308r mich ist echtes <em>Tai Chi<\/em><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>das, was es ist, n\u00e4mlich Kampfkunst. Und der Gesundheitsaspekt wird durch den Kampfkunstaspekt erst richtig forciert, denn wenn man im Kampf hart bleibt, findet der Gegner harte Punkte und kann dann seine Energie u\u0308bertragen, und <em>Tai Chi<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/em>nimmt die Energie. Anders herum kann man durch diese Entspannung natu\u0308rlich seinen K\u00f6rper viel besser spu\u0308ren, kann seine inneren Mechaniken viel besser kultivieren, die Energieflu\u0308sse usw. und kann dann die festen Punkte des Gegners mehr erfu\u0308hlen, mehr erspu\u0308ren und angreifen. Wenn man das jetzt zusammen nimmt, wenn die Hauptprinzipien im <em>Tai Chi<\/em>\u00a0Verwurzelung, Entspannung und Zentrierung sind, die st\u00e4ndig aufrecht erhalten werden mu\u0308ssen, dann profitiert natu\u0308rlich der Gesundheitsaspekt. Wunderbar! Was gibt es besseres, als in einer zentrierten und normalen Haltung entspannt durchs Leben zu gehen? Und das auch noch unter Druck! Nicht nur unter tats\u00e4chlichem Druck in der Kampfkunst, sondern auch unter psychischem Druck. Die Besch\u00e4ftigung mit sich selbst, die ja im <em>Tai Chi<\/em><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>bedingungslos ist \u2013 du musst dich mit dir selbst besch\u00e4ftigen, sonst lernst du kein <em>Tai Chi<\/em><span class=\"Apple-converted-space\">.\u00a0<\/span>Das findest du in kaum einer anderen Disziplin. Dadurch, dass du, w\u00e4hrend du trainierst, in dieser Zeit bei dir bist. Wirklich nur bei dir und bei der Idee, die Prinzipien in dir zu finden und zu kultivieren. Dabei entspannt sich auch der Mind<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>und wird nicht mehr so angreifbar. Ich habe natu\u0308rlich auch ein normales Leben, Familie, drei Kinder, Sorgen, \u00c4ngste und, und, und. Wie jeder normale Mensch. Aber ich kann davon loslassen. Wenn mich jemand angreift, dann blockiere ich nicht, dann verh\u00e4rte ich nicht, sondern ich lasse los. Die Energie und die Kraft wirken dann nicht mehr gegen mich. Und das hat mich am meisten <em>Tai Chi<\/em><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>gelehrt. Ich sage allen, Schu\u0308ler oder Schu\u0308lerin, sie sollen den Kampfkunstaspekt zumindest verstehen lernen, damit sie <em>Tai Chi<\/em><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>verstehen. Wenn sie dann die Bewegungen in der Anwendung sehen, dann haben sie einen besseren Zugang zu dem, was sie da machen. Ich kenne <em>Tai Chi<\/em> Leute, die wissen gar nicht, was sie da machen. Die k\u00f6nnten auch tanzen gehen, das w\u00e4re das gleiche. Aber wenn man wei\u00df, was man da macht, und wenn man darauf achtet, wie die Wege im eigenen K\u00f6rper sind und die Energieflu\u0308sse, dann hat man ein ganz anderes Verst\u00e4ndnis, eine ganz andere Selbstwahrnehmung. Man passt mehr auf sich auf. Und durch dieses &#8222;Mehr-auf-sich-Aufpassen&#8220; lernt man die Prinzipien des <em>Tai Chi<\/em><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>auch wirklich kennen.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Was sind fu\u0308r dich die zentralen \u00dcbungen, um einen guten Zugang zu dir selber und zu diesen inneren Energien zu bekommen?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Also u\u0308ber allem steht Entspannung. Das ist das wichtigste Prinzip u\u0308berhaupt. Jetzt sag aber mal einem einfachen Menschen, der zu dir kommt: \u201eEntspann dich\u201c (lacht). Dann wei\u00df der natu\u0308rlich nicht, wie er das machen soll, aber es gibt Tu\u0308ren, die man \u00f6ffnen kann. Es gibt Punkte im K\u00f6rper, die man beachten kann, die man loslassen kann, u\u0308ber die Grobentspannung hinaus. Das merkt man dann auch an solchen Leuten, die Schultern sind erst noch hart und nach zwei Monaten werden sie langsam lockerer. Und nach einem halben Jahr sind sie entspannt. Es gibt \u00dcbungen zur Entspannung, aber ich glaube, viel wichtiger ist es, dass man die Leute anfasst und dass die merken: \u201eMensch, ich mach ja zu, ich muss jetzt mal ganz bewusst loslassen.\u201c Und DADURCH kommt Entspannung zustande. In meinem <em>Tai Chi<\/em><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>sind Partneru\u0308bungen oder Feeling-\u00dcbungen mit den H\u00e4nden und mit dem ganzen K\u00f6rper genauso wichtig wie die Form, wenn nicht sogar wichtiger, weil man durch die Beru\u0308hrung merkt: \u201eOh Mensch, da bin ich ja hart\u201c, was man sonst vielleicht gar nicht merkt, wenn man alleine nur rumsteht. Aber durch die Beru\u0308hrung merkt man: \u201eOh Mensch, da muss ich loslassen.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1\">Letztendlich ist das Ziel im <em>Tai Chi,<\/em><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>nur noch Haltespannung zu nutzen. Funktionelle Haltespannung. Keine zus\u00e4tzliche Anspannung! Wie bei Kindern, die noch nicht in der Schule sind. Vorschulkinder sind noch frei von Anspannung, von Blockaden. Wenn sie gesund aufwachsen. Ein gro\u00dfes Ziel ist im <em>Tai Chi<\/em>, wieder zu werden wie ein f\u00fcnfj\u00e4hriges Kind, das noch nicht zur Schule geht. Die sind noch frei von Spannung. Und Anspannungen entstehen ja durch verschiedene Gru\u0308nde. Das sind Fehlhaltungen durch Arbeit, durch \u00c4ngste, Stress. Man spannt die Schultern an, man hat einen angespannten Bauch, man kneift den Arsch zusammen usw. Da muss man wieder das Gegengewicht schaffen. Und das schafft <em>Tai Chi<\/em>, weil es den K\u00f6rper bewegt. Im Yoga gibt es auch spezielle \u00dcbungen oder im Pilates usw., die arbeiten auch \u00e4hnlich.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-15438\" src=\"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/DZ5-234x300.jpg\" alt=\"\" width=\"469\" height=\"600\" srcset=\"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/DZ5-234x300.jpg 234w, http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/DZ5-768x984.jpg 768w, http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/DZ5-800x1024.jpg 800w, http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/DZ5.jpg 1290w\" sizes=\"(max-width: 469px) 100vw, 469px\" \/><\/p>\n<p class=\"p1\">Aber wieder durch dieses Verst\u00e4ndnis: \u201eMich greift jemand an, ich darf nicht mit Kraft und Anspannung arbeiten, sondern ich muss loslassen.\u201c Das hilft wirklich auch, in die Tiefe zu entspannen. Und durch die Tiefen-Entspannung lernt man natu\u0308rlich die inneren Mechaniken und Energieflu\u0308sse eher wieder kennen als mit Anspannung im K\u00f6rper. Natu\u0308rlich spannt man sich immer wieder an. Anspannung ist per se nicht b\u00f6se. Wenn ich mit dem Auto irgendwo gegenfahre, werde ich mich anspannen, aber man muss die Chance haben, sich bewusst entspannen zu k\u00f6nnen. Gerade wenn man unter Druck ist oder unter Stress. Und das schafft <em>Tai Chi<\/em><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>und dafu\u0308r muss man <em>Tai Chi<\/em><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>auch vom Kern her trainieren. Da kann man nicht nur eine Seite des <em>Tai Chi<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/em>trainieren.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Welche Lehrer haben dich noch beeinflusst, neben Manfred Steiner?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Ganz stark natu\u0308rlich James Cravens. Manfred war der Praktiker. Von Manfred habe ich den Kampfgeist u\u0308bernommen, die ersten Tu\u0308ren wurden zu dem Inneren Boxen ge\u00f6ffnet und er hat mir die neue Welt gezeigt. Was ja fu\u0308r ihn auch noch damals relativ neu war. Da hatte ich das gro\u00dfe Glu\u0308ck, dass ich auch am Anfang mit dabei war, weil er mit uns ja immer die Neuigkeiten trainiert hat. Also Manfred ist mein MEISTER, das wird auch immer so bleiben. Ohne Manfred w\u00e4re das alles gar nicht so gekommen. Aber Cravens hat noch mal den Feinschliff gemacht. Der ist mehr Techniker gewesen. Der hat die Techniken akribisch auf ihre Feinheiten hin untersucht und weiterentwickelt. Der hat alles ganz genau gemacht. Was Manfred teilweise durch seine Masse, Kraft und Kampfgeist nur unterschwellig vermitteln konnte, das hat Cravens mir durch seine Klarheit, durch seine Deutlichkeit noch mal offenbart. Ich bin nicht die Kampfmaschine, nie gewesen. Ich war immer mehr der, der chirurgisch vorgehen muss, der nicht einfach nur zuschl\u00e4gt, der schon gucken muss, wie er was macht.<\/p>\n<p class=\"p1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-15440\" src=\"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/DZ7-1024x926.png\" alt=\"\" width=\"512\" height=\"463\" \/>Und da hat Cravens noch mal einen Teil dazu beigetragen. Aber von wem ich den wirklich inneren Kick gekriegt habe, als ich wirklich fu\u0308r mich gemerkt habe: \u201eSo, jetzt bist du internal, jetzt kannst du internal beweisen\u201c, das war durch Dr. Tao. Ich habe internal trainiert, ich habe internal<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>gearbeitet, aber es kam irgendwann der Tag an dem ich gemerkt habe, ich kann beweisen, was ich mache, oder was ich lehre. Und Dr. Tao hat mir nichts direkt beigebracht, bei dem habe ich nur gefu\u0308hlt, gespu\u0308rt. Der hat mir gesagt: \u201eDu musst noch konsequenter sein, musst noch weicher werden. Du musst noch mehr loslassen.\u201c Ab dem Zeitpunkt haben die Sachen auch wirklich bedingungslos funktioniert.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Wo hast du Dr. Tao getroffen?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Bei einem Lehrgang von Nils Klug. Dr. Tao ist ja auch in dem Board of Directors des CBII und natu\u0308rlich wollte ich den mal kennenlernen, ist ja klar. Dr. Tao hat in Amerika den Nathan Menaged, einen Schu\u0308ler von William C.C. Chen, und Nils Klug ist ein deutscher Vertreter von William C.C. Chen. Und u\u0308ber diese Schiene William C.C. Chen\/Nils Klug\/Nathan Menaged hat Nils Klug Dr. Tao nach Deutschland eingeladen. Und das habe ich mir natu\u0308rlich nicht entgehen lassen und bin da hin. Er hat dieses \u201eDon\u2019t push back, don\u2019t push back-Prinzip\u201c, der war immer nicht da! Wir haben Push-hands gemacht, aber es war eigentlich kein Push-hands, weil er immer weggegangen ist, aber er war trotzdem noch an dir dran. Bamm!!! Das war schon wieder so, als ob ein Nebel pl\u00f6tzlich verschwindet. Das war das, was ich noch gebraucht habe, als letzten Kick, wirklich internal zu arbeiten. Ich habe auch noch von anderen Leuten so ein paar Kicks gekriegt. Ich kann mich an Wilhelm Mertens erinnern, der auch <em>Tai Chi<\/em> macht, der hat eine spezielle \u00dcbung gehabt, wie man die Schultern los kriegt, und die habe ich gemacht und: Wamm!!! Die passte genau zu mir! Und pl\u00f6tzlich konnte ich die Schultern noch besser l\u00f6sen als vorher! Es gibt auch immer noch so Kleinigkeiten, die man auf dem Weg entdeckt und mitnimmt, aber einen wirklich noch mal richtig gro\u00dfen Kick habe ich von Dr. Tao gekriegt. Obwohl der mir nichts gezeigt hat. Nur durch dieses Erlebnis, ihn zu erleben. Dann kam er irgendwann noch mal und das hat die Sache best\u00e4tigt und dann habe ich noch mal darin investiert, wirklich an der Grenze zum Schlaff-sein zu arbeiten. Wirklich u\u0308berhaupt keine Kraft mehr zu nutzen. Und siehe da, es wurde alles stabiler, es wurde schneller. Ich wurde noch schneller. Ich war schon immer schnell, aber ich wurde noch schneller, ich wurde noch beweglicher. Das war noch mal ein gro\u00dfer Kick fu\u0308r mich. Dann muss ich sagen, dass mir auch zwei Bu\u0308cher geholfen haben. Einmal das Buch von Wolfe Lowenthal \u201eEs gibt keine Geheimnisse\u201c und von Hermann Hesse \u201eSiddharta\u201c. Die passen irgendwie zu mir pers\u00f6nlich, haben mir geholfen,\u00a0<em>Tai Chi<\/em> oder Inneres Boxen besser zu verstehen. Die haben mal auf eine andere Art und Weise erkl\u00e4rt, was man so auch im Inneren Boxen macht.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Was hast du in dem Buch \u201eSiddharta\u201c fu\u0308r dich gefunden?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Die Freiheit, pers\u00f6nliche Erfahrungen zu machen und nicht von oben herab gesagt zu bekommen: \u201eSo musst du das machen oder so muss das sein\u201c. Dass man alles pers\u00f6nlich erfahren und entdecken muss. Diese Geschichte von Buddha, dass man wirklich die Freiheit haben muss, alles selbst zu entdecken. Ich m\u00f6chte nicht das machen, was ein anderer mir sagt, sondern ich m\u00f6chte das machen, was ich fu\u0308r richtig halte. Das ist fu\u0308r mich auch ein Unterschied zwischen internal und external, weil im External machst du genau das, was der Stil dir vorgibt, und im Internal musst du wirklich die Ideen, die inneren Ideen, in dir finden und kultivieren. Das bedeutet also, eigene Erfahrungen zu machen. Und das Buch, das kann ich jedem empfehlen.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Was wu\u0308rdest du denn einem Schu\u0308ler, der sich dazu entschlossen hat, Internal Martial Arts zu machen, mit auf den Weg geben wollen? Was gibst du ihm als Ratschlag?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Naja, ich sage den Leuten, die mich fragen, wie lange dauert denn so was: \u201eManchmal lernt man in einer Sekunde mehr als in einem ganzen Leben, das kann man nicht so festlegen.\u201c Das Wichtigste ist wirklich, dass man versucht,\u00a0sich zu entspannen \u2013 auch au\u00dferhalb des Trainings. Alles, was man macht, entspannt zu tun. Entspannung ist das Zauberwort. Natu\u0308rlich ist es nicht leicht, sich zu entspannen, aber es hilft, wenn man dem K\u00f6rper immer wieder sagt: \u201eLass los!\u201c Wenn man merkt, man kann nicht loslassen, dann muss man mal zur Massage gehen und die tiefen Verspannungen l\u00f6sen, die vielleicht \u00fcber die Jahre in einem aufgebaut wurden. Aber letztendlich ist Entspannung der Schlu\u0308ssel. Ohne Entspannung funktioniert innere Kunst nicht. Das ist es auch, was ich am meisten im Unterricht sage: \u201eEntspannt euch, entspannt euch, entspannt euch!\u201c Manche schaffen es, sich schnell zu entspannen, manche\u00a0brauchen ein bisschen, aber letztendlich passiert was. Und wenn man dann schon langsam merkt: \u201eAha! Ich kann bewusst loslassen, ich kann das Becken \u00f6ffnen, ich kneife den Arsch nicht mehr zusammen, wenn ich mich bewege\u201c. Dann kann man darauf achten, dass die innere Mechanik, also das Skelett, sich in diesem m\u00f6glichst entspannten K\u00f6rper funktionell bewegt, es nicht mehr in der Funktion behindert wird. Eigentlich machen wir jeden Tag innere Bewegungen. Wenn du zum Beispiel eine Tasse aus dem Schrank holst, dann denkst du nicht daru\u0308ber nach. Du holst die Tasse aus dem Schrank, funktionell besser geht\u2019s nicht: Du hast genau das gemacht, was du wolltest, und es ist funktionell tadellos. Du hast internal<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>gearbeitet. Die Kunst ist es jetzt, dieses Prinzip aus der willentlichen Form zu bringen. Du willst damit etwas Besonderes erreichen oder du willst eine Funktion damit erfu\u0308llen, die nicht mehr durch Verspannungen und Blockaden usw. zuru\u0308ckgehalten oder gebrochen wird. Entspannung steht an erster Stelle. \u00dcber die Entspannung funktionieren dann die anderen Sachen einfach besser. Zum Beispiel Verwurzeln. Wenn du dich entspannen kannst, dann kannst du sinken und du merkst, wie du mehr Verbindung zur Erde hast. Wenn du dich entspannst, spu\u0308rst du deinen K\u00f6rper mehr, wie er dich zentriert. Wie er dich wirklich\u00a0wieder in eine normale Haltung stellt. Aus Entspannung wird Zentrierung und Verbindung zur Erde, also rooting. Das sind die drei wichtigsten Prinzipien fu\u0308r mich. Ohne die drei Prinzipien funktionieren die anderen nur rudiment\u00e4r oder gar nicht. Wenn du diese drei Prinzipien gut gelernt oder erfahren hast, dann kannst du auch besser mit Linien und Winkeln umgehen, mit forward pressure<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>und mit projection. Aber das funktioniert nur, wenn diese drei inneren Hauptprinzipien da sind. Entspannung, Zentrierung, Kontakt zur Erde. Und man muss Geduld haben. Manche Sachen passieren relativ schnell und bei manchen Sachen hat man das Gefu\u0308hl, die schafft man nie! Letztens hatte ich erst wieder einen Schu\u0308ler, der hat fru\u0308her immer gesagt: \u201eNon-Telegraph! Das ist nicht mein Ding!\u201c So, und jetzt hat es ein paar Jahre gedauert, aber jetzt ist er einer, der immer trifft (lacht). Manfred hat mal gesagt: \u201eDer Touch<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>kommt beim Schei\u00dfen\u201c (lacht laut). Und das kann ich nur best\u00e4tigen! Pl\u00f6tzlich passiert was und du wei\u00dft, das ist internal.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Du fu\u0308hlst pl\u00f6tzlich, da ist was passiert.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-15442\" src=\"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/DZ9.jpg\" alt=\"\" width=\"712\" height=\"540\" srcset=\"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/DZ9.jpg 1424w, http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/DZ9-300x228.jpg 300w, http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/DZ9-768x582.jpg 768w, http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/DZ9-1024x777.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 712px) 100vw, 712px\" \/><\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Wie ist denn deine Erfahrung mit der Wahrnehmung der \u00dcbertragung von Energie, die oft\u00a0<\/strong><strong>als Chi beschrieben wird?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Ich glaube, das sind vor allem natu\u0308rliche physikalische Gesetze, die da eine Rolle spielen. Das ist alles erkl\u00e4rbar. Und diese Videos, wo Leute durch die Luft geschmissen oder kontaktlos besiegt werden, das sind alles entweder bewusste Fakes oder es wird u\u0308berspitzt dargestellt. Ich halte von diesen Non-Contact-Sachen gar nichts. Ich habe schon \u00f6fter Leute zu mir eingeladen, die mir das mal zeigen sollten. Die sind alle nicht gekommen. Wenn du dir im Internet so was anguckst, dann sind da alles kooperative Leute, die rumgeschmissen werden. Aber es gibt Ph\u00e4nomene, die man nicht erkl\u00e4ren kann. Das glaube ich wohl. Ich h\u00e4tte beispielsweise, als ich <em>Ju-Juts<\/em>u gemacht habe, zun\u00e4chst nicht gedacht, dass ich mal mit einer ganz kleinen Bewegung jemanden umschmei\u00dfen kann oder dass ich selber nicht einfach so geworfen oder weggeschubst oder angegriffen werden kann. Ich h\u00e4tte damals nie geglaubt, dass man das mit wenig Aufwand irgendwann hinkriegt.<\/p>\n<p class=\"p1\">Insofern gibt es schon Ph\u00e4nomene, die aber physikalisch erkl\u00e4rbar sind. Trotzdem bin ich inzwischen \u00fcberzeugt, dass es Chi gibt. Eine Zeit lang hatte\u00a0ich daran nicht geglaubt und ich wu\u0308rde das auch jetzt noch nicht u\u0308berbewerten. Dass man, wenn man kein Chi hat, stirbt oder so, verstehst du (lacht)?<\/p>\n<p class=\"p1\">Es ist da, es wird wahrscheinlich irgendwie funktionieren, aber viele Sachen sind meiner Meinung nach reine Physik. Zum Beispiel das, was ja in manchen Non-Contact-Videos dargestellt wird: Ein Schu\u0308ler geht auf den Meister zu, der macht eine kleine Bewegung\u00a0und der Schu\u0308ler wird sofort nach hinten wieder umgeschmissen. Das kenne ich im ganz Kleinen auch von meinem Unterricht. Wenn du manchem Schu\u0308ler mal weh getan hast oder Angreifer sp\u00fcren, du drehst denen gleich den Hals um und du kommst dann auf die zu, dann gehen die automatisch \u00e4ngstlich zuru\u0308ck. Das ist so ein Beispiel fu\u0308r Non-Contact, weil die konditioniert wurden. Gleich tut es weh! Aber die Leute, die mit so etwas Werbung machen, die sollen das mal gegen unkooperative Leute zeigen. Dann u\u0308berzeugt das. Aber so ist das, glaube ich, nur Fake. Aber die innere Kampfkunst ist sehr high-end-m\u00e4\u00dfig, was die Kampfku\u0308nste generell betrifft. Weil sie durch Entspannung und durch dieses Selbst-Wahrnehmende immer auf ein Minimum reduziert werden kann. An Anwendung, an Funktion. Das hast du bei herk\u00f6mmlichen Kampfsportarten oft nicht, da setzen sich doch meistens die durch, die entweder mehr Aggressivit\u00e4t haben, mehr Kampfgeist, oder skrupelloser sind. Und in den inneren Ku\u0308nsten hast du tats\u00e4chlich eine Chance, dich auch als Friedensapostel durchzusetzen. Weil du durch diese Prinzipien schneller und beweglicher arbeiten kannst. Ich sage immer: &#8222;Innere Kampfkunst ist ungef\u00e4hr so, als ob du mit einer Pistole schie\u00dft. Du hast den Abzug schon gezogen und dru\u0308ckst nur noch ab. Oder als ob du mit Pfeil und Bogen schie\u00dft, du musst nur noch die Sehne l\u00f6sen.\u201c So ist fu\u0308r mich Inneres Boxen. Irgendwann wird es nur noch eine Aktion. Durch das Viele, das man so in sich und fu\u0308r sich herausfindet, durch die verschiedenen \u00dcbungen oder Ideen bekommst du Zugang zum Wesentlichen.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Was wu\u0308rdest du sagen, inwieweit hat das <em>Chinesische Boxen<\/em> dein Leben beeinflusst?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-15434\" src=\"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/DZ-1-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" \/>Immens! Fu\u0308r mich ist das zum Lebensinhalt geworden. Nicht nur, dass ich damit auch meinen Lebensunterhalt verdiene, sondern weil es fu\u0308r mich mein Leben ausmacht. Natu\u0308rlich geht es irgendwie immer weiter, aber wenn mir jetzt zum Beispiel die Beine abfallen wu\u0308rden, dann h\u00e4tte ich gro\u00dfe Probleme. Es ist ja nicht nur so, dass ich davon lebe, sondern dass mein Leben dadurch auch fu\u0308r mich im wahrsten Sinne des Wortes lebenswert ist.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Also man k\u00f6nnte sagen, dass es der Sinn deines Lebens ist?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p2\">Ja, das ist der Sinn meines Lebens! Allerdings habe ich vor ungef\u00e4hr 10 Jahren angefangen, Gitarre zu lernen. Durch die Musik habe ich noch mal so einen gro\u00dfen Kick bekommen. Selber Musik zu machen, auch in einer Band, das ist fu\u0308r mich ein neuer Lebensimpuls. Sagen wir mal so, H\u00e4lse umdrehen steht immer noch an erster Stelle (lacht), aber Musik machen kommt jetzt gleich dahinter. So, aber zuru\u0308ck zum Inneren Boxen: Das Innere Boxen ist lebendig! Das ist wirklich im wahrsten Sinne des Wortes lebendig. Ich muss immer aus meiner Erfahrung sprechen. Es ist lebendig und h\u00e4lt einen lebendig! Vor allem: wirklich lebendig! Weil man vielleicht die Dinge entspannter sieht. Man nimmt gewisse Dinge sensibler wahr, aber man nimmt sie dann trotzdem auch nicht so ernst. Ich komme mit vielen\u00a0Momenten, bei denen manche Leute sich tierisch aufregen, einfach besser klar. Und wenn famili\u00e4re Streitereien sind, dann kann man besser schlichten. Das fu\u0308hre ich auch auf die Lehren des Inneren Boxens zuru\u0308ck. Denn der Taoismus ist ja eine sehr liebenswerte Philosophie. Insgesamt sehr freundlich: mit menschenfreundlichen, naturfreundlichen Idee und durch das Innere Boxen lernt man diese Idee besser kennen. Es ist nichts Esoterisches oder eine &#8222;Ich-muss-mich-vor-eine-Kerze-setzen-und-Tee-trinken&#8220;-Philosophie, sondern es ist eine lebendige, greifbare Philosophie, die man durch sich selbst sogar beweisen kann. Und das hat mir das Innere Boxen auch er\u00f6ffnet. Aber ich muss auch jeden Tag auf die Toilette, du verstehst was ich meine?! (lacht)<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Detlef, ich danke dir fu\u0308r dieses Gespr\u00e4ch!<\/strong><\/p>\n<h6>Bilder: Detlef Zimmermann, Olaf Pachten<\/h6>\n<p class=\"p3\">Zur Person:<\/p>\n<p class=\"p1\">Detlef Zimmermann, Jahrgang 1958, ist Kampfkunstlehrer und Generalbevollm\u00e4chtigter des Chinese Boxing Institute International fu\u0308r Europa. Er ist Gru\u0308ndungsmitglied der Gemeinschaft professioneller Tai Chi Lehrer und unterrichtet in Hannover. Seit 1976 trainiert Detlev intensiv Kampfkunst, zun\u00e4chst Ju-Jutsu, bis er durch Manfred Steiner, dessen Schule er sp\u00e4ter u\u0308bernahm, zu den Inneren Chinesischen Kampfku\u0308nsten gekommen ist.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/interview-detlef-zimmermann-engl\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Click for the english version<\/strong><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was gibt es besseres, als in einer zentrierten und normalen Haltung entspannt durchs Leben zu gehen? 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