{"id":15269,"date":"2018-08-09T13:18:29","date_gmt":"2018-08-09T13:18:29","guid":{"rendered":"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/?p=15269"},"modified":"2024-04-19T08:52:51","modified_gmt":"2024-04-19T08:52:51","slug":"interview-manfred-steiner","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/chinese-boxing-starten\/interview-manfred-steiner\/","title":{"rendered":"Interview: Manfred Steiner"},"content":{"rendered":"<h4 class=\"p1\" style=\"text-align: center;\"><em>\u201e<\/em>Auf die Suche geht immer derjenige, der mit dem, was er bisher tut, nicht zufrieden ist. Wenn du damit zufrieden bist, dann ist das Stillstand<em>.\u201c<\/em><\/h4>\n<h5 class=\"p1\">Olaf Pachten\u00a0besuchte Manfred Steiner f\u00fcr dieses Interview in dessen Praxis in Isernhagen, n\u00f6rdlich von Hannover. Das Wartezimmer der Praxis ist gefu\u0308llt mit Erinnerungen von Manfreds Reisen und seinem Leben als Kampfku\u0308nstler. An den W\u00e4nden h\u00e4ngen Urkunden und Fotos der unterschiedlichsten Kampfku\u0308nstler, die mit Manfred zusammengearbeitet haben. Ein gro\u00dfer Teil des Raumes wird von einem indianischen Totempfahl eingenommen. In seinem Behandlungsraum tr\u00e4gt das medizinische Skelett einen original indianischen H\u00e4uptlingsschmuck und in einer Ecke des Raumes ist sein alter Fallschirm aufgeh\u00e4ngt. Es ist Freitagnachmittag und obwohl die Praxis nicht mehr ge\u00f6ffnet hat, kommt im Laufe des Interviews noch ein Notfallpatient herein. Manfred scheint das gewohnt zu sein und nimmt sich alle Zeit und so wird\u00a0 Olaf Pachten auch Zeuge einer sehr eindrucksvollen osteopathischen Behandlung.<\/h5>\n<p class=\"p1\"><strong>Wo bist Du aufgewachsen Manfred, aus welcher Ecke kommst du?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Aus welcher Ecke? Aufgewachsen in Berlin, geboren in Sachsen, auf der Flucht der Eltern. Ich war in Berlin bis 21, 22 und bin dann zur Bundeswehr. Nach l\u00e4ngeren Eskapaden bin ich dann in Hannover gelandet und war zwischenzeitlich, auch wegen der Kampfkunst, mal wieder im Ausland. Seit 1990 bin ich in eigener Praxis mit Chiropraktik, Osteopathie und so weiter. Die Kampfkunst hat mich immer begleitet, als roter Faden, an dem ich mich immer wieder festgehalten habe, wenn es mir mal dreckig ging, und das hat mir doch immer sehr die Basis erhalten.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Wie bist du u\u0308berhaupt zu Kampfkunst oder Kampfsport gekommen?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Eigentlich durch meinen Vater. Ich war zehnkommafu\u0308nf, da hat er mich zum Boxen geschickt, hat gesagt: \u201eDu musst dich hauen!\u201c Naja, da habe ich dann in Berlin angefangen mit dem <em>Boxen<\/em> und bin dann, so mit sechzehn, langsam ru\u0308bergegangen zum <em>Judo<\/em>. Dann kam<em> Kyokushin-Kai<\/em> und anschlie\u00dfend ging es ja hier in Hannover los, da war die Bundeswehr dazwischen. Ich war <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-15272\" src=\"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Manfred-Steiner-2-198x300.jpg\" alt=\"\" width=\"198\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Manfred-Steiner-2-198x300.jpg 198w, http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Manfred-Steiner-2.jpg 443w\" sizes=\"(max-width: 198px) 100vw, 198px\" \/>auch in verschiedenen anderen Vereinen und bin dann vom <em>Kyokushin-Kai<\/em> aus auf der Suche gewesen nach anderen Dingen. Man h\u00f6rte ja immer, da gibt es solche Geschichten, was ist das alles? Und diese ganzen Sachen, die es damals so gab, die waren ziemlich, wie soll ich sagen, klar, also einfach strukturiert. Da gab es <em>Karate<\/em>, da gab es <em>Judo<\/em> und dann gab es noch so ein bisschen <em>Jiu-Jitsu<\/em>, aber das passte irgendwie nicht, da musste es noch mehr geben. Und so bin ich dann auf die Suche gegangen. Ja, und dann habe ich irgendwann mal Casey getroffen, hier in Hannover.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Wie kam das zustande, dass ihr zusammengekommen seid?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Durch Martin H\u00f6ft, der hatte hier einen Kampfkunstladen und da traf sich eben alles. Casey ist da mal aufgelaufen und dann hatte mir Martin, der schon mit ihm u\u0308ber mich gesprochen hatte, gesagt: \u201eDa ist so ein Ami, der wu\u0308rde dich gerne mal kennenlernen\u201c. So haben wir uns dort getroffen. Und dann kam Casey an, eigentlich unscheinbar, so ein Typ Versicherungsvertreter, und wir haben gleich gemerkt, das passte! Und danach kam er ab und zu mal in die Schule im Kolonnenweg und hat sich das so angeguckt und gesagt: \u201eJa ok, ich mach das ein bisschen anders!\u201c (lacht) \u201eNaja, ist ja in Ordnung!\u201c, habe ich gesagt. \u201eOk, komm zu mir nach Hause!\u201c, meinte er dann.<\/p>\n<p class=\"p1\">Er wohnte in Hannover-Anderten und hatte fu\u0308r eine Versicherungsfirma gearbeitet. Und dann bin ich zu ihm nach Hause, und da hat er mich erstmal eines Besseren belehrt!<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Wie ging das vonstatten?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Da sagt er: \u201eOk, mach mal was!\u201c Und dann hat er mich da erstmal so zusammengetru\u0308mmert! Zu der Zeit waren auch noch ein paar andere Leute aus Deutschland da, die von ihm u\u0308ber amerikanische Wege geh\u00f6rt hatten, und bei denen hat er ungef\u00e4hr das Gleiche gemacht, aber die wollten nicht mehr! Und ich habe gesagt: \u201eOh, das ist es! Danach hast du gesucht!\u201c Das war der damalige Stand. Naja, und dann ging das so los, er kam ein paarmal in die Schule im Kolonnenweg und hat dann offiziellen Unterricht gemacht und ich war dann manchmal vier- bis fu\u0308nfmal abends bei ihm, das ging bis tief in die Nacht. Da haben wir nicht nur trainiert, wir haben gequatscht und alles M\u00f6gliche gemacht, und so hatte man einen ganz anderen Austausch. Da habe ich gewusst, das muss ich unbedingt machen, das ist es, wonach ich gesucht habe! Das andere, das habe ich erstmal alles abgelegt, das ist eben die Basis gewesen, klar! Aber es geht ja weiter!<\/p>\n<p class=\"p1\">Und dann bin ich wie durch einen Tunnel gefahren, habe nur noch das gemacht! Nach drei Jahren musste er dann wieder weg, zuru\u0308ck nach Amerika. Ich habe ihn dann noch ein paarmal dort dru\u0308ben besucht und da haben wir auch zusammen trainiert.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Wo hat er zu der Zeit gelebt ?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p2\">Das war in New Haven. Dort bin ich zweimal gewesen und dann in Hartford, dort war ich drei- oder viermal bei ihm. Und dann war er noch mal hier, ich glaube das muss im Fru\u0308hjahr 86 gewesen sein. Da war auch noch Klaus Kothe mit dabei und da quatschte er pl\u00f6tzlich Deutsch, fast akzentfrei! Da habe ich gedacht: \u201e\u00c4h, wie bitte?!\u201c Er hat dann gesagt, er h\u00e4tte hier auch Unterricht genommen, er hatte sich eben fu\u0308r Deutsch sehr interessiert, also fu\u0308r den deutschen Sprachraum. Und so hatte er vom Goethe-Institut immer eine Deutschlehrerin im Geheimen. Er konnte alles verstehen, aber er hatte noch nie gesprochen. Und pl\u00f6tzlich fing er an zu quatschen! Wir standen da und dachten: \u201e\u00c4hhh, wie bitte?!\u201c (lacht)<\/p>\n<p class=\"p2\">Da haben wir dann also auf Deutsch weitergequatscht und das war doch sehr erstaunlich.<\/p>\n<p class=\"p2\"><strong>Das muss ein ziemlich intelligenter Mensch gewesen sein?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p2\">Casey war hyperintelligent, aber auch extrem exzentrisch! Er war wirklich der Verfechter von: \u201eMein Weg oder kein Weg\u201c. Das war dem alles v\u00f6llig wurscht! Kompromisse kannte der gar nicht. Deswegen hatte er sich auch ganz gut durchgesetzt in der Firma. Er war dann natu\u0308rlich auch so exzentrisch bei der Arbeit mit den ganzen Mitarbeitern, die kamen mit ihm u\u0308berhaupt nicht zurecht. Deswegen haben sie ihn hier wieder abgeschossen und nach Amerika zuru\u0308ckgeschickt, also die Zweigstelle komplett aufgel\u00f6st. Er hatte dort Ru\u0308ckversicherungen abgeschlossen fu\u0308r den amerikanischen und fu\u0308r den Su\u0308d-Ostasien-, also chinesischen, Raum. Das war sein Aufgabengebiet.<\/p>\n<p class=\"p2\"><strong>Er ist darin auch ziemlich erfolgreich gewesen, oder?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p2\">Ja! Er hat ziemlich gro\u00dfe Umstrukturierungen gemacht, das habe ich damals so am Rande mitgekriegt. Wir hatten dann Jahre sp\u00e4ter mal ein Interview mit dem Vorstand von der Hannover-Ru\u0308ck, dem Bingemeier, und der hat mir erstmal erz\u00e4hlt, wie das alles zusammenhing. Da war mal, es muss in den 90ern gewesen sein, so eine Gruppe von Filmemachern aus Berlin, die wollten die Geschichte von Casey verfilmen. Und in diesem Rahmen gab es dann auch ein paar Interviews, unter anderem auch mit dem Bingemeier, um so einen Background fu\u0308r den Film zu haben. Aber aus dem Projekt ist dann nichts mehr geworden.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Ich habe mich immer gefragt, wie jemand in den 70er Jahren, in so einer Gesellschaft wie in Taiwan, dann in diesen wirklich sehr, sehr engen Zirkel hineinkommt, bis hin zur Hong Men Hui. Was ja eigentlich fu\u0308r Nicht-Chinesen fast unm\u00f6glich ist. Wie, meinst du, hat der das gemacht?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Ich bin mir jetzt nicht mehr ganz sicher. Ich glaube, sein Vater war im diplomatischen Dienst auf Taiwan. Und dadurch ist er reingerutscht. Casey ist dann auch bei der Army gewesen, und dadurch kam er dann zu diesen Verbindungen.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>So wurde er dann mit den einzelnen Lehrern oder Meistern bekannt gemacht?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Ja. Einmal hatte er natu\u0308rlich auch schon in Amerika viel gemacht, aber eben aufgrund seiner Exzentrik, immer mehr wissen zu wollen, hinter die Sachen zu steigen, hat ihm das natu\u0308rlich Tu\u0308r und Tor ge\u00f6ffnet. Und wenn du was willst, dann rennst du einfach los und machst das. Schaust nicht links und rechts, das interessiert dich nicht! Und so ist es im Prinzip zustande gekommen. Er hat natu\u0308rlich dann Tu\u0308r und Tore ge\u00f6ffnet. Wenn du eine F\u00e4higkeit hast und eine Fertigkeit, die dir von Natur aus gegeben ist, und du den Spirit dazu hast und dann die richtigen Leute triffst, dann ku\u0308rzt du Wege ab, das ist immens! Weil du ja selbst immer am Forschen bist, fehlt dir dann meistens nur so ein bisschen Klebstoff, um einige Steinchen zusammenzukleben, und wenn dir der richtige Klebstoff gegeben wird durch solche Leute, aufgrund dieser Verbindung, dann wird das ein Selbstl\u00e4ufer.<\/p>\n<p class=\"p1\">Er hat dort ja wahrscheinlich in relativ kurzer Zeit unheimlich viel gelernt, sich auch unterschiedliche Stile angeeignet und ist in der Lage gewesen, das zu synthetisieren. Bei uns war das so: Ich stand am Scheidepunkt, fragte mich, was das Ganze soll. Die ganze Kampfkunst und immer das Gleiche, ich war wie so ein ausgequetschter Schwamm, der brauchte nur noch einen <img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-15273 size-full\" src=\"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Manfred-Steiner-Silat.jpg\" alt=\"\" width=\"539\" height=\"389\" srcset=\"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Manfred-Steiner-Silat.jpg 539w, http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Manfred-Steiner-Silat-300x217.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 539px) 100vw, 539px\" \/>Tropfen, um wieder aufzugehen. Und deswegen ist es mir auch sehr leicht gefallen. Und ich war auch besessen! Das zog sich dann so hin bis 1986. Und danach habe ich im Kolonnenweg weitergemacht und habe dann auch andere Kontakte gehabt. Dann ging es los mit <em>Kali<\/em> und <em>Silat<\/em> in Amerika, nachdem ich 1990 die Schule abgegeben hatte.<\/p>\n<p class=\"p1\">1991 bin ich dann zu Kenpokan. Zu der Zeit bin ich auch permanent in Amerika gewesen, habe dort verschiedene Leute kennengelernt, auch Camps gemacht, und dadurch kamen dann auch diese ganzen anderen Verbindungen zu Kenpokan hin. Von \u00dcberall.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Warum hast du Deine Schule damals aufgegeben?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Weil ich in Richtung Heilpraktik gegangen bin, was mich ja schon vorher interessierte, eigentlich schon Mitte der 80er Jahre. Ich wollte einfach wissen, wollte mehr wissen! Und da habe ich gesagt: \u201eIrgendwas stimmt nicht mehr, es gibt noch mehr!\u201c Und so ging noch mehr der Lotus auf, wie man so sch\u00f6n sagt. (lacht) Dann kamen nachher andere Sachen dazu, <em>Kali<\/em> haupts\u00e4chlich. Das ging schon Mitte der 80er Jahre los, aber nicht offiziell, und dann die anderen Weiterentwicklungen wie <em>Pekiti-Tirsia<\/em> und <em>Silat<\/em>. Ich habe eine ganze Weile auch mal <em>Thai-Boxen<\/em> gemacht, aber das war nicht so mein Ding, weil es sehr einseitig war. Das war alles sehr reduziert, wie ich das schon fru\u0308her vom <em>Karate<\/em> kannte, so eine gewisse Einseitigkeit. Ja, und so hat man sich dann weiterentwickelt. Parallel dazu war ich immer wieder mit Helmut Barthel zusammen, schon seit Anfang der 80er Jahre. Er hat u\u0308ber Casey geschrieben und u\u0308ber das, was er machte.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Barthel hat damals ein Magazin herausgegeben, oder?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Ja, \u201eMartial Art\u201c hie\u00df das. Zehn bis f\u00fcnfzehn Ausgaben mu\u0308ssen das gewesen sein. Er hatte auch sehr viel recherchiert in den ganzen Kampfku\u0308nsten, das war ja Pionierzeit damals hier in Deutschland.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>\u00dcber welchen Stil ist er zur Kampfkunst gekommen?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Barthel? \u00dcber <em>Karate<\/em>, <em>Shotokan<\/em>. Dann muss er irgendwie mal so ein Erlebnis gehabt haben und ist danach in diese Richtung gekommen. <em>Tan Tien Tschu\u0308an<\/em> hat er dann u\u0308ber mehrere Entwicklungsphasen weiterentwickelt. Bist du erstmal auf dieser Rolle drauf, dann er\u00f6ffnen sich ja immer wieder v\u00f6llig neue Perspektiven. Ich habe noch eine ganze Weile mit Helmut zusammengearbeitet, dann hat er sich ganz zuru\u0308ckgezogen. 2005 hat er wieder den Kontakt gesucht. Und seit dem bin ich jetzt auch bei Helmut mit der Hamburger Gruppe und mit der aus Stelle-Wittenwurth zusammen. Und dann bin ich schon seit einigen Jahren an <em>Systema<\/em> dran. Da finde ich sehr viele Parallelen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Ja, und so schlie\u00dft sich irgendwo der Kreis. Oder der Kreis ist noch nicht geschlossen, ich wei\u00df es nicht. Fu\u0308r mich steht immer das Forschen im Vordergrund. Was gibt es noch mehr?! Die Physik zu verstehen, die Interpretation von Physik u\u0308berhaupt zu begreifen! Viele, viele Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten, auf die Kampfkunst bezogen, die sind uns ja erz\u00e4hlt worden. \u201eDas ist so, und so hat das auszusehen!\u201c Wenn du dann einige Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten physikalischer Art hinterfragst, dann kommen pl\u00f6tzlich ganz neue Dinge auf dich zu und die funktionieren! Und da sagst du: \u201e\u00c4h, ja, wir haben immer nur von der linken Seite des Mondes geguckt, aber die rechte Seite, die war nicht existent, obwohl sie da war!\u201c So, und das ist ja das, was mir dann beim <em>Tan Tien<\/em> und wie das funktioniert, schon immer aufgesto\u00dfen ist. Und ich habe dann auch beim <em>Systema<\/em> Parallelen gesehen. Und das kann man unwahrscheinlich gut von der Art her miteinander verbinden. So wie es manchmal nach au\u00dfen aussieht, ist das ja auch immer ein individueller Ausdruck des Einzelnen. Keiner macht es so wie der andere. Aber das Ding, das dahintersteckt, oder die Idee, die dahintersteckt, die Ausfu\u0308hrung, die ist doch sehr \u00e4hnlich. Beim <em>Systema<\/em> zum Beispiel sind es sehr weite und auch enge Bewegungen, und beim <em>Tan Tien<\/em> machst du die Bewegungen einfach nur im K\u00f6rper drinnen. Deswegen ist es auch ziemlich schwer zu begreifen.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Was ist damit gemeint?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Es ist nicht ein Prozess, in dem ich das so mache und der macht es so. Das gibt es nicht, sondern du wandelst deinen eigenen K\u00f6rper regelrecht physikalisch um! Es ist ein Prozess, der sich in erster Linie im Kopf abspielt. Alles ist irgendwie anders und du musst erstmal begreifen, was anders ist. Weil es dir nie jemand erz\u00e4hlt hat, nur irgendwelche nebul\u00f6sen Geschichten. Ich hatte ein- oder zweimal mit Casey so ein Erlebnis und der hatte in gewissen Ans\u00e4tzen auch schon so was gemacht wie Helmut Barthel. Und er hat es auch immer ru\u0308bergebracht.<\/p>\n<p class=\"p1\">Ich habe es damals nur nicht so ganz verstanden. Ich habe es nur mechanisch verstanden. Und durch diese Parallelentwicklung ging das dann mehr in den Kopf rein. Das geht nicht so, dass du Samstag das machst und Sonntag das, und am Montag hast du es dann begriffen. Das funktioniert nicht. Das braucht seine Zeit der Synapsen-Verknu\u0308pfung, das braucht es einfach. Und die kannst du auch nicht abku\u0308rzen, die kommt ganz automatisch.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Was bedeutet Mind-Boxen fu\u0308r dich?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p2\"><em>Mind-Boxen<\/em>, genau! Man kann sagen, das ist genau das, was Helmut und Casey auch machten. Das ist den Mind blockieren. Wie kann man den blockieren? So, dass es zu einer T\u00e4tigkeit kommt und zu einer Reaktion eines Gegenu\u0308bers, mit der er von seinem eigenen Kopf her nicht fertig wird. Ihm fehlt sozusagen ein Film. W\u00e4hrend der Bewegung, egal was, bekommt er einen Filmriss und kann die Bewegung nicht mehr nachvollziehen.<\/p>\n<p class=\"p2\">Oder er kann der Bewegung nicht mehr folgen, weil er, das ist so das Spezielle beim <em>Tan Tien<\/em>, immer den Bewegungen hinterherhu\u0308pft. Und dabei kam ich darauf, das ist eigentlich <em>Schattenboxen<\/em>! Du verfolgst immer einen Schatten, aber da ist nichts mehr. Und durch diese Transformation, wenn du das spu\u0308rst, wird der K\u00f6rper langsam anders. Er wird regelrecht zuru\u0308ckgebeamt in seinen Bewegungen. Da ist nichts mehr, was mit anschl\u00e4gt. Ich spreche jetzt von <em>Tan Tien<\/em>: Da ist nichts mehr, das mit Anschl\u00e4gen zu tun hat oder mit Abstu\u0308tzen. Das wird alles wolkiger, nebul\u00f6ser und je nebul\u00f6ser eine Bewegung wird, desto weniger Information kommt ru\u0308ber in dem Augenblick. Und der andere, der hat das Gefu\u0308hl, da ist eigentlich nichts! Weil du ihm keine Stu\u0308tzen gibst, keine Anschl\u00e4ge, keine Widerstands-M\u00f6glichkeiten. Und das ist eigentlich <em>Mind-Boxen<\/em>. Die Reaktion darauf ist, dass da nichts ist, und du kannst es nicht verorten oder begreifen, das ist <em>Mind-Boxen<\/em>. (u\u0308berlegt) Casey hat das auch schon so gemacht!<\/p>\n<p class=\"p2\"><strong>Casey hat auch immer wieder von Transformation oder Transmutation gesprochen in diesem Zusammenhang.<\/strong><\/p>\n<p class=\"p2\">Ja! Und das ist diese Transformation und Transmutation. Ich sage immer \u201eZuru\u0308ckbeamen&#8220; dazu. Das ist es. Anders rum, wir sind gewohnt: Aktion \u2013 Reaktion. Also immer zweidimensional, linear gerichtet. (Er beginnt, sich im Raum zu bewegen). Du kannst dich auch so bewegen, du kannst einen Schritt machen, kannst rumrennen, kannst alles machen. Aber alles ist darauf aus, der andere beobachtet dich, du beobachtest ihn, kurze Reflexb\u00f6gen, hin und her. Aber es ist immer: Aktion \u2013 Reaktion und es ist immer gegen etwas, gegen einen Widerstand gerichtet. Egal, ob es nun so leicht ist, es ist immer gegen einen Widerstand. Und wir sind ja widerstandsgepr\u00e4gt. Wir k\u00f6nnen nur agieren, wenn wir einen Widerstand spu\u0308ren. So, jetzt hast du ein Gegenu\u0308ber und das kann agieren, ohne dass du gro\u00df mitbekommst, dass da kein Widerstand ist. Also kann ich auch nicht reagieren. Und das ist dieser Kopfprozess, der dich dann durch viele, viele \u00dcbungsarten langsam dahin fu\u0308hrt, dass dein K\u00f6rper auch so wird wie dein Geist meint zu sein. (lacht)<span class=\"s1\">!<\/span><\/p>\n<p class=\"p2\"><strong>Das ist dann Transmutation?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p2\">Das ist die Transmutation! Und Casey hatte das auch schon. Ein Widerstand, zum Beispiel so, wenn ich so mache (beginnt, einen Druck gegen meinen Arm aufzubauen), genau das ist deine Reaktion: Gegenhalten! Und das Gegenhalten ist ja nicht nur hier (zeigt auf den Arm), sondern das passiert ja im ganzen K\u00f6rper, bis runter. Und das kennen wir! Was sich dort abspielt, da wird es schon dunkel. Was geht dem entgegen? Wo sind denn eigentlich deine Sperren? Wenn das hier ein Wasserballon w\u00e4re und du pikst dort rein: \u201eMoment, da ist nichts!\u201c<\/p>\n<p class=\"p2\">Da ist nicht dieses, da ist nichts. Dazu musst du aber deinen K\u00f6rper kennenlernen: \u201eWo sind denn eigentlich diese ganzen Ecken in dem Wasserball?\u201c Das ist eine gro\u00dfe Ecke! (demonstriert), das ist eine kleine Ecke. Wo sind die alle in deinem K\u00f6rper, die dich von dem Zustand des Wassers, oder des Ballons, fernhalten? Und das musst du erstmal kennenlernen. Deine eigenen Fehler kennenlernen, die du gar nicht mehr merkst! Achte mal darauf, ob du dein Knie bewegen kannst, achte mal darauf, ob du das bewegen kannst und ob du das auch l\u00f6sen kannst, denn du stehst ja darauf. Wenn ich mich bewegen will, muss ich mich abdru\u0308cken. Irgendwie! Diese ganzen Druckverh\u00e4ltnisse, die musst du im K\u00f6rper aufl\u00f6sen. Und erst wenn du die aufl\u00f6st, kriegst du langsam diesen Transmutations-Zustand.<\/p>\n<p class=\"p1\">Man n\u00e4hert sich dem immer mehr an, und dadurch wird das fu\u0308r ein Gegenu\u0308ber \u2013 nicht nur in der Kampfkunst, sondern auch wenn du mit einem sprichst \u2013 natu\u0308rlich schwieriger, etwas stu\u0308tzend bei ihm hervorzurufen. Er sucht.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Inwieweit hat denn die Medizin bzw. die Chiropraktik und die Naturheilkunde auf deine Kampfkunst eine Auswirkung gehabt?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Ich sage mal so, die Chiropraktik auf die Kampfkunst selbst nicht, eher umgekehrt! Die Kampfkunst hat gelehrt, was man mit dem K\u00f6rper machen kann. Einmal, ganz banal, Hebelgesetze <img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-15274\" src=\"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Manfred-Steiner-Med-214x300.jpg\" alt=\"\" width=\"214\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Manfred-Steiner-Med-214x300.jpg 214w, http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Manfred-Steiner-Med.jpg 359w\" sizes=\"(max-width: 214px) 100vw, 214px\" \/>usw. Welche Gewebe sind damit verbunden, wie arbeiten die Gewebe? Das hat mir die Medizin gegeben. Dann habe ich das verstanden, was du eigentlich bei der Kampfkunst machst, was damit betroffen oder daran beteiligt ist. Und so ist diese Verknu\u0308pfung. Vom technischen Aspekt her hat die Kampfkunst mir die Freiheit gegeben, in der manuellen Medizin Dinge anders zu machen. Nach au\u00dfen sehen die vielleicht so \u00e4hnlich aus, aber anders zu machen, hei\u00dft, dass ich auch durch die Gewebe durchkomme. Ich wei\u00df, wie weit ich gehen kann. Ich wei\u00df, das Gelenk h\u00e4lt das noch lange aus. Wenn du einen Hebel machst, dann kannst du den so durchziehen, dass das Gelenk kaputt geht.<\/p>\n<p class=\"p1\">Ver\u00e4nderst du die Position des Hebels und da ist zum Beispiel eine L\u00e4sionsstelle im Gelenk, kannst du diese L\u00e4sionsstelle auch aufl\u00f6sen. Indem du nur die Richtung wechselst. Also insofern hast du ein Repertoire u\u0308ber die Kampfkunst und viele M\u00f6glichkeiten, die du mit Patienten dann auch machen kannst. Du bist selbst frei. Du stellst nicht irgendwelche Sachen nach, die dir irgendjemand mal gezeigt hat<span class=\"s1\">!<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Man konnte eben in der Behandlung deiner Patientin sehr sch\u00f6n sehen, wie du Impulse gesetzt hast.<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Die Verku\u0308rzung, ich verteile mich um. Ich kann so einen Impuls nicht setzen, wenn ich mich irgendwo abstu\u0308tze. Am Patienten zum Beispiel. Dann wu\u0308rde ich ihn nur irgendwie anheben. Und meine Stu\u0308tze an ihm macht genau das gleiche bei ihm und er macht zu. (Schnippt mit dem Finger) Und so musst du sehen, dass du genau zentriert daru\u0308ber bist, indem du Raum schaffst durch Anspannung und relative Entspannung im K\u00f6rper. Raum schaffen! Wenn du was anspannst, schaffst du Platz im Raum, denn der ist ja gleich. Das Volumen ist das Gleiche. Spannst du etwas an, schaffst du Platz. L\u00e4sst du los, hast du wieder Platz, nimmst also das Volumen wieder ein.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Fu\u0308llst du in dem Moment den Raum?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Ich fu\u0308lle den Raum oder ich quetsche ihn aus. Ich mache ihn leer. Aber ich muss ihn irgendwo hinpacken. Wenn ich was leer mache, irgendwo, muss es ja irgendwo hin, denn die Masse bleibt die Gleiche! Ich kann den Raum versetzen, indem ich einen Schritt mache oder mich so bewege.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Was bedeutet Loslassen fu\u0308r ich?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Loslassen? (\u00dcberlegt) Dass du nicht an Vergangenem h\u00e4ngst und dir das Vergangene als Ma\u00dfstab setzt, denn Ma\u00dfst\u00e4be sind nach oben hin offen! Und solange man an irgendetwas festh\u00e4lt, im Sinne von: \u201eIch brauche das!\u201c, das ist doch sowieso schon in dir, das musst du doch nicht noch extra nach au\u00dfen hin festhalten. Zum Beispiel eine Form. Vor 30 Jahren habe ich mal eine Form gemacht, die habe ich heute vergessen. Die ist zwar auf einem Ordner in meinem Sch\u00e4del drin, aber ich brauche sie nicht mehr. Weil dieses Teil ist mal durch mich durch gelaufen. Das ist ein Bausteinchen. Aber wenn ich daran festhalte, wie ich das vor 30 Jahren gemacht habe, das geht nicht! Und das meine ich mit loslassen. So ist das im Allt\u00e4glichen auch. Wenn du alles das halten willst, was du fru\u0308her mal gemacht hast, dann kannst du ja keinen Schritt mehr machen! Du mu\u0308llst deine Festplatte so derma\u00dfen zu. Was vergangen ist, ist in irgendwelchen Ordnern gespeichert, aber du hast sie weggestellt. Und das meine ich mit loslassen. Und nicht sagen: \u201eAch damals \u2026\u201c<\/p>\n<p class=\"p1\">Nein, es ist jetzt! Und dass es jetzt so ist, ist immer eine Funktion dessen, was mal war. Sonst w\u00e4rst du ja nicht da. Das ist fu\u0308r mich so loslassen.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Die \u00dcbung, die wir gerade gemacht haben, die hatte auch etwas von loslassen. In dem Moment, in dem du den festen Punkt losl\u00e4sst und dein Gewicht und deine Muskelanspannung anders verteilst \u2026 das war auch so was wie loslassen, oder?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Ja, es fu\u0308hlt sich so an wie loslassen. Das ist zum Beispiel auch das, was Casey mit dem Schmutz auf dem Spiegel beschrieben hat. So wie ich bin, so \u2026 da! (Er beugt sich am Tisch nach vorne u\u0308ber und wird nach au\u00dfen hin hart und fixiert mich intensiv.) So bist du in dem Moment auch. Du bist mein Spiegel. Jetzt muss ich nur erkennen, dass ich mich so konfiguriere, dass dein Spiegel so bleibt, wie du bist. Nur du erkennst es nicht. So! Ich bleibe so, aber ich konfiguriere mich anders \u2026 (Er ver\u00e4ndert leicht seinen Muskeltonus und verlagert sein Gleichgewicht, bleibt aber gleich pr\u00e4sent und nach vorne gebeugt am Tisch) So, und jetzt kann ich loslassen, jetzt kann ich den Schmutz vom Spiegel wischen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Wenn ich so bin und mich jetzt bewege, bewegt sich der Spiegel, also das Spiegelbild, kontinuierlich mit. Ich kann nicht loslassen, es geht nicht. So, jetzt bewege ich mich aber hier, innen, so \u2026 wir haben die gleiche Position, ich kann mich hier bewegen. Man muss da immer so eigene Gedankengebilde haben.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Wo siehst du die Zukunft vom Chinese Boxing Institute?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Fu\u0308r mich ist es ein Institut oder eine Organisation, eigentlich wie jede andere. Auch innerhalb von Organisationen haben wir gro\u00dfe Wandlungsprozesse. Es besteht letztendlich aus zwei Aspekten. Das eine ist der finanzielle Aspekt: Wir sind eine Organisation, wir organisieren uns, wir nehmen, indem wir lehren, Geld usw. Und das andere ist der Aspekt: Sollen wir so weiter trainieren, sind wir so behaftet, wie wir mal angefangen haben oder sollen wir weiter forschen? Dann haben wir eigentlich nicht mehr diesen alten, urspru\u0308nglichen Gedanken. Oder die alte Idee.<\/p>\n<p class=\"p1\">Es ist nur ein Name! Mit einem Marketingkonzept dabei. Aber die Entwicklung, die macht jeder fu\u0308r sich pers\u00f6nlich. Er braucht also keine Organisation. Er braucht vielleicht so eine Organisation als Startrampe, um irgendwie an Leute heranzukommen, die ihm weiterhelfen. Eine Organisation ist immer eine Verwaltungsform, um m\u00f6glichst viele Leute auf eine Spur zu kriegen. Anders ist es, wenn du das fu\u0308r dich selbst siehst.<\/p>\n<p class=\"p1\">Dann kannst du sehen, wo du jemanden findest und der macht mit dir was. Hmm \u2026 aufnehmen! Dann gehst du dahin \u2026 aufnehmen! Und da \u2026 aufnehmen! Und du machst ja deine Wandlungsprozesse durch und nicht, was andere meinen, wie du was zu sehen hast! Auch dieses: \u201eSo musst du stehen!\u201c Im <em>Karate<\/em> hast du das auch so. Ja, Quatsch! Zeig mal eben, wie das geht! Worauf kommt es an? Funktioniert, funktioniert nicht! Ob das jetzt so ist, oder so \u2026 schei\u00dfegal! Das bist du! Und das ist eben deine eigene Entwicklung!<\/p>\n<p class=\"p2\">Und so sind diese ganzen Begriffe. Das ist mehr ein Konglomerat, um einen Anhaltspunkt zu haben: \u201eWir machen <em>Chinesisches Boxen<\/em>!\u201c. Das k\u00f6nnte genauso hei\u00dfen: \u201eWir tauchen im Teich!\u201c, als Technik. Was soll\u2019s? Mehr Wert hat es auch nicht! Der Wert, der ist immer in dir und in einer Reflexion von anderen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Wenn die anderen sagen: \u201eDanach habe ich gesucht!\u201c Wenn andere sagen: \u201eNee, danach habe ich nicht gesucht, ich versteh eigentlich gar nicht, was du meinst!\u201c \u201eJa, keine Ahnung, ne!\u201c Dann ist das fu\u0308r dich nicht der ad\u00e4quate Partner. Und du kannst immer nur weitergeben an welche, die suchen. Ansonsten machst du Entertainment und Schwitzkurs. Dafu\u0308r gibts andere.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Spielen denn Stile eigentlich u\u0308berhaupt noch eine Rolle?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Nein! Du bist als physikalisches und mentales Individuum ein sich bewegendes Wesen mit dem Hintergrund oder mit der F\u00e4higkeit, mit den Bewegungen, die dir die Natur gegeben hat, eine Idee umzusetzen. Das ist zuf\u00e4llig die Idee des K\u00e4mpfens. Was kann ich mit diesen Bewegungen machen? Andere, die wu\u0308rden vielleicht mit diesen Bewegungen einen Pinsel in die Hand nehmen und ein Blatt Papier beschmieren. Die Bewegungen sind die gleichen. Es gibt nur eine Physik, blo\u00df man muss immer die Idee dahinter sehen. Ich mache so \u2026 (Er macht eine ausholende Bewegung.) Der eine sagt: \u201eOh, da haust du dem aber kr\u00e4ftig eins auf die Nase!\u201c Da sage ich: \u201eNee, guck mal, ich habe einen imagin\u00e4ren Pinsel in der Hand, ich male die Wand an!\u201c Schei\u00dfegal, die Bewegung ist die gleiche! Nur die Intension ist immer eine andere.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Was wu\u0308rdest du jemandem empfehlen der sagt: \u201eIch m\u00f6chte gerne innere Kampfkunst lernen, wo soll ich anfangen?\u201c<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Fang erstmal ganz einfach an, deinen K\u00f6rper kennenzulernen, erstmal sehen und ausloten, was der K\u00f6rper u\u0308berhaupt kann. Dann wirst du auch schon merken: \u201eIst es das eigentlich?\u201c Und dann wird sich auch zeigen, ob du die Geduld dazu aufbringst, hineinzusteigen. Da gibt es Kampfsportarten, die den Einstieg ganz gut bewerkstelligen. Ich sag mal jetzt <em>Judo<\/em>, da lernst du den K\u00f6rper auch kennen. Und dann kommen schon automatisch die Fragestellungen irgendwelcher Art. Und dann f\u00e4ngst du an, auf die Suche zu gehen. Bleibst du in diesem Stadium: \u201eNa gut ich find das ganz toll\u201c, aber ansonsten tangiert dich das nicht, dann musst du auch nicht auf die Suche gehen. Auf die Suche geht immer derjenige, der mit dem, was er bisher tut, fu\u0308r sich selbst nicht zufrieden ist. Wenn du mit dem zufrieden bist, dann bist du eigentlich ein Zombie, dann ist ja Stillstand. Du lebst zwar, aber es ist Stillstand!<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Also ist Unzufriedenheit eigentlich auch eine gute Motivation?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Ja! Also, ich stelle mir immer die Frage: \u201eDas kann es doch noch nicht gewesen sein?!\u201c Man findet ja auch immer irgendwas bei sich selber: \u201eAch Mensch, klappt das? K\u00f6nnte das nicht so gehen?\u201c Sich immer wieder in Frage zu stellen, das ist eigentlich der Motor. Wenn du das machst, dich in Frage zu stellen, dann gehst du auf die n\u00e4chste Reise oder auf den n\u00e4chsten Weg und bist wieder am Suchen, findest immer wieder neue Sachen. Es ist also grunds\u00e4tzlich ein nach oben offenes System. Oder du schwimmst im Wasser und wei\u00dft nicht, wo du hinschwimmst, aber unterwegs findest du interessante Sachen.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Meinst du, man kommt jemals an?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Ich wei\u00df es nicht! Es ist auch nicht wichtig fu\u0308r mich, ob ich irgendwo ankomme, weil ich ja nicht wei\u00df, was das Ziel ist. Das wei\u00df ich nicht! Vielleicht gibt es, um wieder auf die Kampfkunst zuru\u0308ckzukommen, irgendeine physikalische Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit, die wir alle noch nicht gelernt haben oder von der wir auch nicht wissen, dass es sie gibt! Die schlummert vielleicht in uns, und ja, die will ich erreichen. Aber ich kenne sie nicht. Deswegen habe ich auch kein Ziel. Also begebe ich mich einfach auf den Weg. Wie weit ich komme? Keine Ahnung! Vielleicht macht die n\u00e4chste Generation was ganz anderes oder hat ganz andere Erkenntnisse, ganz andere F\u00e4higkeiten. Das sieht man ja heute in allen Sportarten. Was die heute schon fu\u0308r F\u00e4higkeiten entwickeln! Das ist ja immer nur aufbauend auf Wissen und auf kleinen Informationen der Vorg\u00e4nger. Man muss sich da runter reduzieren, man ist nur ein Meilenstein. Ja, auf vielen Holzwegen auch (lacht).<\/p>\n<p class=\"p1\">Und deswegen: Es gibt nichts Festes fu\u0308r mich selbst. Nach au\u00dfen hin vielleicht, so gesehen ja, weil wir uns ja nur in einem bestimmten Rahmen bewegen k\u00f6nnen, also vom optischen Rahmen her, aber was den Effekt usw. angeht, da sind wir v\u00f6llig frei. Da bist du du! Und nicht: Du bist Meister Hung, der zuf\u00e4llig Arthrose hat und sein Kick eben nicht richtig kommt. Und alle sagen: \u201eMensch, das ist ein neuer Kick!\u201c. Nee, nee das ist kein neuer Kick, der hat nur Arthrose! Und alle machen es nach. Also das Imitieren meine ich. Nee, du bist ja selbst dein Imitat. Und <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-15275 size-full\" src=\"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Manfred-Steiner-Indianer.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"727\" srcset=\"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Manfred-Steiner-Indianer.jpg 550w, http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Manfred-Steiner-Indianer-227x300.jpg 227w\" sizes=\"(max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/>deswegen gibt es auch keinen Stil. Stil ist immer fest. Nee, du bist Olaf. Ich gehe zu Olaf und will da von ihm das lernen, falls er dazu bereit ist, was er gerade macht. Und das ist, wenn du so willst, das ist Touch. Er macht das gerade so! Und das hilft dir fu\u0308r einige Teile in dir, das zu verinnerlichen und mitzunehmen auf die Reise. Und dann gehst du zu Alfons. Alfons, der steht jeden Tag auf dem Kopf. Ja, das ist Alfons\u2019 Art. Das ist seine Art, das ist kein Stil. Der steht nur zuf\u00e4llig seit einem halben Jahr auf dem Kopf, weil ihm das so in den Kopf kam. Und du sagst: \u201eOh, das ist wieder ein Stu\u0308ck auf dem Meilenstein.\u201c Und bist du weg von Alfons, nach drei Wochen schl\u00e4gt er mit dem Sch\u00e4del gegen die Wand. Das kriegst du natu\u0308rlich wieder nicht mit. Aber du hast mitgekriegt, wie Alfons auf dem Kopf steht. So, und das ist nun ein Teil von dir. Und das pr\u00e4gt dich. Und dann kommt der n\u00e4chste, der kommt dann wieder zu Olaf, und Olaf steht auf dem Kopf, steht auf und schl\u00e4gt mit dem Kopf gegen die Wand. Der sagt: \u201eOh, diese Technik, die muss ich genau nachmachen.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1\">Nee, das ist nur der Prozess, in dem du dich gerade befindest. Geht der wieder weg, dann lachst du u\u0308ber ihn, sagst: \u201eWas ist denn das fu\u0308r ein Heini?! Ich habe dem nur einen vorgemacht.\u201c Und er glaubt es dir. Es ist nur das Momentane, was du mitkriegst. Und du kriegst immer nur das mit, wonach dir ist. Wenn du versuchst, etwas zu tun, wonach dir nicht ist, dann ist das nicht authentisch. Und das Nicht-Authentische kommt bei vielen ru\u0308ber. Die merken: \u201eAha! So ist das, der macht uns einen vor!\u201c Und dann geht das los, abzocken. Da merkst du schon, der hat keinen Bock! Nee, du bist auch immer nur ein Meilenstein.<\/p>\n<p class=\"p1\">Das ist so im <em>Chinesischen Boxen<\/em>. Und das <em>Chinesische Boxen<\/em>, das war mal ein Begriff, eigentlich nur ein Wort: \u201eWie kannst du das alles zusammenfassen?\u201c Ich kann nicht drei\u00dfig verschiedene Namen \u201eHung, Peng, Pong, Sieh, Chun\u201c und so weiter sagen und irgendwelche chinesischen Leute, die irgendwer mal getroffen hat, die gerade zu der Zeit an dem Stadium ihrer eigenen Entwicklung waren. So, und das willst du irgendwie zusammenfassen. Und dann sagst du dir: \u201eNaja, was ist denn die Essenz daraus gewesen, die momentane Essenz, um das so ein bisschen zu verquicken?\u201c So, und dann kannst du sagen: \u201eIch mach Verquickung!\u201c \u201eWas ist denn das, ist das ein Stil?\u201c \u201eNee, das ist kein Stil\u201c \u201eJa, aber was ist denn das dann?\u201c \u201eDas ist eine Verquickung! Wir machen heute Verquickung!\u201c \u201eH\u00e4hh?\u201c Kennt keiner, weil die nicht u\u0308berlegen k\u00f6nnen, was du damit eigentlich meinst. Weil die die ganzen Prozesse nicht durchlaufen haben. Gibst du denen jetzt aber: \u201eHier, guck mal! Das ist Peng 1-35. Das ist der Stil! Und den zeige ich dir jetzt!\u201c \u201eJa, zeig mir wie es geht!\u201c Also ein Stil selbst, in sich, ist immer tot! Das ist immer nur ein Sammelsurium einer Entwicklung. Und die Begrifflichkeit ist zum Allgemeinen, ein bisschen PR, damit alle irgendeinen Begriff haben, an dem sie sich hochhangeln k\u00f6nnen. Aber ansonsten \u2026<\/p>\n<p class=\"p1\">So ist es in der Medizin auch! Da ver\u00e4ndert sich st\u00e4ndig irgendetwas, du probierst aus, st\u00e4ndig bist du eigentlich am Probieren. Da machst du zuf\u00e4llig irgendwas: \u201eOh, aha! Geht! Funktioniert!\u201c Dann machst du weiter. Es liegt dir \u2013 du machst weiter. Es liegt dir noch mehr \u2013 weiter ausbauen! Liegt dir das nicht \u2013 na, ok, habe ich mal gemacht, ist eigentlich langweilig, nee, passt nicht zu mir, l\u00e4sst es weg. Das ist alles das Gleiche. Du musst nur probieren und das immer fu\u0308r dich filtern. Fru\u0308her war das bei mir natu\u0308rlich auch so. \u201eStell dich mal so hin!\u201c \u2026 Es ist so schei\u00dfegal, wie ich stehe, das ist v\u00f6llig wurscht! Und da bin ich weg (lacht). Das meine ich damit<span class=\"s1\">!<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Vielen Dank Manfred, fu\u0308r das spannende Gespr\u00e4ch!<\/strong><\/p>\n<h6>Bilder: Manfred Steiner, Olaf Pachten<\/h6>\n<p class=\"p3\">Zur Person:<\/p>\n<p class=\"p1\">Manfred Steiner, Jahrgang 1947, hat schon in seiner fru\u0308hen Jugend auf Anraten des Vaters mit dem Boxen angefangen. Sp\u00e4ter wechselte er dann zum Judo und dann zum Kyokushin-Kai. In der Bundeswehr war Manfred u.a. als Einzelk\u00e4mpferausbilder t\u00e4tig. Nach seinem Ausstieg aus der Bundeswehr gru\u0308ndete Manfred seine eigene Kampfkunstschule in Hannover, die sp\u00e4ter von seinem Schu\u0308ler Detlev Zimmermann weitergefu\u0308hrt wurde. Es folgten etliche Reisen als Ausbilder und Dozent nach Amerika und Asien.<\/p>\n<p class=\"p1\">Manfred arbeitet heute in seiner eigenen Praxis als Chiropraktiker, Osteopath und Heilpraktiker fu\u0308r chinesische Medizin in Hannover-Isernhagen. Er behandelt nicht nur Menschen, sondern auch Pferde und andere Vierbeiner und gilt als Meister seines Fachs.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p> Die Kampfkunst hat mich immer begleitet, als roter Faden, an dem ich mich immer wieder festgehalten habe, wenn es mir mal dreckig ging und das hat mir doch immer sehr die Basis erhalten.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":15270,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[119],"tags":[57,68,67,66,62,71,59,73,70,56,76,69,74,72,75,63],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/chinese-boxing-starten\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15269"}],"collection":[{"href":"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/chinese-boxing-starten\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/chinese-boxing-starten\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/chinese-boxing-starten\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/chinese-boxing-starten\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15269"}],"version-history":[{"count":10,"href":"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/chinese-boxing-starten\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15269\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16384,"href":"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/chinese-boxing-starten\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15269\/revisions\/16384"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/chinese-boxing-starten\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15270"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/chinese-boxing-starten\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15269"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/chinese-boxing-starten\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15269"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/chinese-boxing-institute.de\/chinese-boxing-starten\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15269"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}